1. Make America Nope Again
Es ist wieder passiert. Amerika hat gewählt – und Donald Trump hat aufs Maul bekommen. Nicht etwa im übertragenen Sinn, sondern in der einzig denkbaren, nämlich der politischen Realität. Die Demokraten fahren Siege ein, einer nach dem andern, während der selbsternannte Heiland der weissen Männer grimmig auf Truth Social rumpostet, als hätte ihm jemand das letzte Chicken Nugget geklaut.
Der grosse Deal-Maker, der Mann, der «America great again» machen wollte, bekommt von Amerika gerade ein unübersehbares «Nope». Und zwar nicht das nette, höfliche «Nope» aus dem Mittleren Westen, sondern das kalifornische «Hell no», serviert mit einem Soy Latte und einem Genderstudies-Diplom.
Der Selbsttest des Selbstherrlichen
Diese Wahlen galten als erster Stimmungstest seiner zweiten Amtszeit – und siehe da: Das Land hustet Trump die Quittung hin. Virginia, New Jersey, New York – lauter Bundesstaaten, die ihm zeigen, wo der Hammer hängt. Abigail Spanberger gewinnt in Virginia, Mikie Sherrill in New Jersey, Zohran Mamdani in New York. Ein Muslim als Bürgermeister in New York! Das allein muss Trump derart in den Zwirn treiben, dass seine orangene Gesichtsfarbe vermutlich in Richtung Magenta kippt.
Natürlich wird er sagen, die Wahlen seien manipuliert, die Medien seien unfair, und überhaupt sei alles Teil einer linken Verschwörung, orchestriert von Windrädern, veganer Mayonnaise und Nancy Pelosi. Die Realität aber bleibt: Das Vertrauen der Wähler in den republikanischen Sonnenkönig schmilzt schneller als sein Spray-Tan in der Augusthitze von Mar-a-Lago.
Gerrymandering und andere Zaubertricks
Derweil spielt Kalifornien das politische UNO-Reverse-Kärtchen. «Ihr schneidet eure Wahlkreise zu, um mehr Sitze zu kriegen? Okay, wir auch – nur eleganter.» Proposition 50 erlaubt es den Demokraten, ihre Grenzen neu zu ziehen. Und plötzlich stehen fünf zusätzliche Sitze im Raum. Die Republikaner toben, während sie gleichzeitig in Texas genau dasselbe Spiel spielen. Es ist, als würde ein Taschendieb im Bus laut über die steigende Kriminalität schimpfen.
Trump nennt das «unfair». Natürlich. Unfair ist in Trumps Welt alles, was nicht zu seinen Gunsten ausgeht. Er hat die gleiche Beziehung zur Demokratie wie ein Dreijähriger zu Brokkoli: lautstark ablehnend und völlig überzeugt, dass sie nur erfunden wurde, um ihn zu ärgern.
Die grosse Trump-Faltige
Vielleicht ist es das, was jetzt sichtbar wird: die kollektive Trump-Müdigkeit. Acht Jahre Dauerempörung, Dauerlärm, Dauer-Ich-Ich-Ich. Selbst seine treuesten Anhänger wirken mittlerweile, als bräuchten sie dringend Ferien von ihrem Idol. Die USA sind ein Land, das seine Helden liebt – aber irgendwann liebt es sie auch zu Tode. Und Trump, der dachte, er sei der Ausnahmefall, steht jetzt da wie ein Clown nach der Vorstellung, während die Kinder schon nach Hause gegangen sind.
Auf Truth Social schreibt er, die Republikaner müssten «endlich wieder Gesetze machen» und «den Filibuster abschaffen». Herrlich, wie er das System erst missbraucht, dann beschimpft, wenn es nicht mehr für ihn arbeitet. Der Mann ist die personifizierte Ironie: Ein Populist, der sich als Opfer der Elite sieht – und gleichzeitig jeden Tag im goldenen Aufzug zur Arbeit fährt.
Wenn Macht zur Parodie wird
Trump hat die amerikanische Politik zu einer Reality-Show gemacht. Und wie jede gute Show hat sie ihre Quotenhöhepunkte – und ihr unweigerliches Staffel-Ende. Das Publikum hat gelacht, gestaunt, sich aufgeregt. Aber irgendwann merkt man, dass jede Folge gleich abläuft: Er beleidigt jemanden, behauptet was Falsches, wird ertappt, und dann... passiert nichts. Wiederholung, bis zur Erschöpfung.
Doch diesmal scheint sich die Serie selbst überlebt zu haben. Die Wähler wollen offenbar etwas Neues – vielleicht sogar wieder so etwas wie Politik. Und das ist für Trump das Schlimmste: Er ist nicht mehr die Hauptfigur, sondern nur noch der nervige Cameo, der nicht merkt, dass er rausgeschnitten wurde.
Amerika im Selbstversuch
Was bleibt? Ein Land, das langsam, sehr langsam, aus seinem kollektiven Wutanfall aufwacht. Das merkt, dass Empörung keine Energiequelle ist. Dass das Dauerbrüllen eines alten Mannes im roten Cap keine Zukunftsidee ersetzt. Und dass ein Land, das sich ständig selbst spaltet, irgendwann keine Kanten mehr hat, an denen es noch zusammenhält.
Die Demokraten feiern, klar. Aber klügere Köpfe unter ihnen wissen: Es ist kein Triumph, sondern ein Atemzug. Trump ist politisch zwar am Bluten, aber noch nicht tot. Und wie jeder verletzte Narzisst könnte er gerade dann am gefährlichsten werden.
Trotzdem: Diese Wahlen zeigen, dass die USA noch Reste von Vernunft besitzen. Dass Menschen, trotz der Dauerbeschallung aus Lügen und Lautstärke, manchmal doch merken, was Sache ist. Und das, verdammt nochmal, ist eine gute Nachricht – für Amerika, für die Welt und für alle, die Orange lieber als Frucht mögen als als Präsident.
Oder, um es in Trumps Worten zu sagen: «Sad!»
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