Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Trumps Imperialismus – eine Karte, die keinen Zweifel mehr lässt

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 05.01.2026 20:51
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Trumps Imperialismus – Weltkarte, Stand Januar 2026
Trumps Imperialismus – Stand Januar 2026. Quelle: KATAPULT.

Für mich ist Donald Trump kein Populist, kein polternder Geschäftsmann, kein missverstandener Provokateur. Für mich ist er ein Diktator. Nicht im historischen Kostüm des 20. Jahrhunderts, nicht mit Uniform und Massenparaden, sondern in der zeitgenössischen Variante: Macht ohne Hemmung, Regeln ohne Bedeutung, Gewalt als legitimes Mittel.

Wer dieses Wort für überzogen hält, sollte nicht zuerst den Text lesen, sondern die Karte betrachten. Sie trägt den Titel „Trumps Imperialismus – Stand Januar 2026“. Schwarzer Hintergrund, graue Welt. Keine Karikatur, kein Witz, keine Polemik. Länder sind farbig markiert, und die Legende erklärt nüchtern, was diese Farben bedeuten. Keine Metaphern, keine moralischen Ausschmückungen – nur Kategorien.

Pink steht für Staaten, in denen Präsidenten entführt wurden.
Orange für Länder, deren Präsidenten offen mit Entmachtung bedroht wurden.
Gelb für angedrohte gewaltsame Unterwerfung.
Grün für Bombardierungen.

Mehr braucht es nicht.

Lateinamerika erscheint als Mosaik aus Orange, Gelb und Pink: Panama, Kolumbien, Venezuela. Regionen, die man aus früheren Jahrzehnten kennt, ja – aber neu ist nicht der Ort, neu ist die Offenheit. Hier wird nichts mehr verbrämt, nichts mehr diplomatisch umschrieben. Drohung ist keine Ultima Ratio mehr, sondern ein reguläres Instrument.

Noch verstörender ist der Blick nach Norden. Kanada und Grönland sind gelb markiert. Gewaltsame Unterwerfung angedroht. Nicht irgendwelche „Schurkenstaaten“, sondern engste Partner. Demokratien. Verbündete. Dass diese Länder überhaupt auf einer solchen Karte auftauchen, markiert einen historischen Bruch. Das ist der Moment, in dem klar wird: Es gibt keine geschützten Zonen mehr. Keine moralischen Sperrgebiete. Keine Selbstverständlichkeiten.

Im Nahen Osten und in Teilen Afrikas leuchtet es grün. Syrien, Iran, Irak, Jemen, Somalia, Nigeria. Bombardierungen. Man könnte zynisch sagen: Das kennen wir. Genau das ist das Problem. Dass wir uns daran gewöhnt haben. Dass Bombardierung als Kategorie auf einer Infografik fast schon banal wirkt.

Diese Karte ist keine akademische Analyse. Sie will nicht erklären, sie will festhalten. Sie beantwortet nicht das Warum, sondern das Was. Und das Was ist erschreckend eindeutig: Macht wird nicht mehr legitimiert, sie wird durchgesetzt. Souveränität gilt nur noch unter Vorbehalt. Wer nicht gehorcht, wird bedroht. Wer sich widersetzt, destabilisiert. Wer im Weg steht, bombardiert.

Imperialismus ist kein historischer Begriff, den man im Museum ablegt. Er beschreibt eine Haltung: die Überzeugung, dass andere Staaten verhandelbar sind. Dass ihre Regierungen austauschbar sind. Dass ihre Grenzen relativ sind. Genau diese Haltung spricht aus dieser Karte.

Trump braucht keine Ideologie. Er braucht keine Vision. Er braucht nur Macht – und die Bereitschaft, sie jederzeit einzusetzen. Das macht ihn gefährlicher als viele Autokraten vor ihm. Er tarnt sich nicht. Er erklärt nichts. Er handelt.

Die eigentliche Zumutung dieser Karte liegt nicht in ihren Farben. Sie liegt darin, dass sie plausibel ist. Dass niemand ernsthaft behaupten kann, sie sei absurd. Dass die Diskussion nicht mehr lautet „Stimmt das?“, sondern nur noch „Darf man das so nennen?“.

Ja, man darf. Man muss sogar.

Denn wer Präsidenten entführen lässt, Regierungen offen bedroht, Staaten militärisch unter Druck setzt und Bombardierungen als politisches Mittel normalisiert, der regiert nicht wie ein Demokrat. Der regiert wie ein Diktator.

Diese Karte ist kein Alarmruf. Sie ist ein Protokoll.
Und Protokolle haben die unangenehme Eigenschaft, recht zu behalten.

Quelle der Grafik: KATAPULT – „Trumps Imperialismus“, Stand Januar 2026.

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