1. Ist die FIFA noch tragbar? Wie korrupt ist Gianni Infantino?
Die FIFA, der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich, sorgt seit Jahrzehnten für Schlagzeilen – und leider oft nicht im positiven Sinne. Korruptionsvorwürfe, undurchsichtige Vergabeverfahren und fragwürdige politische Allianzen haben das Image des Verbandes schwer beschädigt. Spätestens seit der Ära Sepp Blatter ist die FIFA für viele ein Synonym für Vetternwirtschaft und Skandale. Doch hat sich unter dem aktuellen Präsidenten Gianni Infantino etwas geändert? Oder ist die FIFA weiterhin ein Konstrukt, das sich selbst am Leben erhält, während es sich immer tiefer in moralische und ethische Abgründe verstrickt?
Infantinos Aufstieg: Vom Reformer zum Strippenzieher
Gianni Infantino übernahm 2016 das Amt des FIFA-Präsidenten mit dem Versprechen, den Verband transparenter und ehrlicher zu gestalten. Sein Vorgänger Sepp Blatter war nach einem Korruptionsskandal gestürzt, und Infantino inszenierte sich als Reformer, der mit alten Mustern brechen wollte. Doch schnell wurde klar, dass auch er nicht davor zurückschreckte, das bestehende System für seine eigenen Zwecke zu nutzen.
Infantino baute seine Macht innerhalb der FIFA gezielt aus. Er änderte die interne Struktur, um mehr Kontrolle über den Verband zu erlangen, und setzte Vertraute in Schlüsselpositionen. Während er öffentlich Transparenz predigte, wurden hinter den Kulissen dubiose Deals abgeschlossen. Besonders auffällig war sein intensiver Kontakt zur Schweizer Justiz, die verschiedene Korruptionsfälle rund um die FIFA untersuchte. Mehrmals traf er sich mit Michael Lauber, dem damaligen Bundesanwalt der Schweiz – ohne offizielle Protokolle und unter fragwürdigen Umständen. Diese Treffen führten schliesslich dazu, dass Lauber zurücktreten musste, doch Infantino selbst blieb unbehelligt.
Die WM-Vergaben: Ein korrupter Sumpf?
Die Vergabe der Weltmeisterschaften war schon immer eine der grössten Angriffsflächen für Korruptionsvorwürfe gegen die FIFA. Die Skandale rund um die WM 2018 in Russland und vor allem die WM 2022 in Katar sorgten für weltweite Empörung. Menschenrechtsverletzungen, die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Gastarbeiter und die klimatischen Bedingungen in Katar liessen Zweifel an der moralischen Integrität der Entscheidung aufkommen.
Infantino verteidigte die Vergabe an Katar vehement und betonte die angeblichen positiven Veränderungen im Land. Gleichzeitig scheute er sich nicht davor, sich mit autokratischen Regimen gutzustellen, um seine Macht weiter abzusichern. Die enge Verbindung der FIFA zu autoritären Staaten hat unter seiner Führung sogar noch zugenommen.
Die Geldmaschine FIFA
Die FIFA ist ein milliardenschweres Unternehmen, das sich vor allem durch Fernsehrechte, Sponsorenverträge und die Vermarktung der Weltmeisterschaft finanziert. Unter Infantino wurde das Geschäftsmodell weiter ausgebaut, und es entstanden noch mehr Möglichkeiten, mit dem Fussball immense Summen zu verdienen. Besonders umstritten war seine Idee, die WM alle zwei Jahre statt alle vier Jahre auszutragen – ein Vorschlag, der sowohl bei Spielern als auch bei Verbänden auf Widerstand stiess. Die UEFA und CONMEBOL lehnten das Vorhaben ab, doch in anderen Teilen der Welt fand Infantino Unterstützung. Er versuchte, sich die Stimmen kleinerer Verbände zu sichern, indem er finanzielle Anreize schuf – eine Taktik, die schon sein Vorgänger Blatter perfektioniert hatte.
Auch das neue Klub-WM-Format zeigt, wohin die Reise geht: Mehr Spiele, mehr Einnahmen, mehr Macht für die FIFA. Die Vereine und Spieler werden immer mehr belastet, während die FIFA weiter ihre Kassen füllt. Doch wer profitiert wirklich von diesem Geld? Die grossen Fussballnationen? Die kleinen Verbände? Oder doch nur eine kleine Elite an der Spitze des Systems?
Korruption: Ein unlösbares Problem?
Seit Jahrzehnten begleitet Korruption die FIFA. Immer wieder gibt es Enthüllungen über Schmiergeldzahlungen, Wahlmanipulationen und persönliche Bereicherung. Selbst nach den grossen Skandalen von 2015, die das US-Justizministerium aufdeckte, hat sich wenig geändert. Infantino mag sich als Saubermann präsentieren, doch seine Amtsführung zeigt, dass er kaum Interesse daran hat, das System grundlegend zu reformieren.
Ein entscheidendes Problem ist, dass die FIFA eine fast unangreifbare Organisation ist. Sie agiert international, entzieht sich nationalen Gesetzen weitgehend und hat ihre eigene Gerichtsbarkeit. Die internen Ethik-Kommissionen und Compliance-Abteilungen sind oft zahnlose Papiertiger, die nur dann aktiv werden, wenn es politisch opportun ist.
Fazit: Ist die FIFA noch tragbar?
Die FIFA hat sich über die Jahrzehnte zu einer Organisation entwickelt, die fast unantastbar scheint. Infantino steht an der Spitze eines Systems, das sich selbst schützt und erhält. Wer einmal in den Machtstrukturen der FIFA angekommen ist, hat wenig Anreiz, sie grundlegend zu verändern. Stattdessen werden Kritiker mundtot gemacht, und Reformversuche bleiben oberflächlich.
Ist die FIFA also noch tragbar? Für den internationalen Fussball bleibt sie nach wie vor unverzichtbar, da sie die wichtigsten Turniere organisiert. Doch moralisch hat sie längst ihren Kredit verspielt. Der Weltfussballverband müsste von Grund auf reformiert werden – doch solange Leute wie Gianni Infantino an der Spitze stehen, scheint das eine Illusion zu bleiben.
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