Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Stefan Raab: Ein Comeback, das keiner brauchte?

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 26.02.2025 22:04
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Als Stefan Raab am 14. September 2024 in den Ring stieg und sich zum erneuten Boxkampf gegen Regina Halmich stellte, war das für viele nicht mehr als ein weiterer trauriger Versuch, in der Unterhaltungsszene relevant zu bleiben. Hätte es das gebraucht? Wohl kaum. Raab, der einst als König des deutschen Fernsehens galt, scheint mittlerweile eher ein Schatten seiner selbst zu sein – ein Relikt einer Zeit, die längst vergangen ist. Doch was folgte auf den Boxkampf? Ein unerwartetes Comeback in Form einer neuen wöchentlichen Sendung auf RTL+, die ab Februar 2025 nun auch im Free-TV auf RTL läuft. Hinzu kommt seine Beteiligung am ESC-Vorentscheid, wo er als Juror die Auswahl der deutschen Vertreter für den Eurovision Song Contest leitet. Doch die Frage bleibt: Wollen wir wirklich noch mehr von diesem Mann, der schon lange nicht mehr das scharfsinnige, unterhaltsame Genie ist, das er einst zu sein schien?

Seit September 2024 ist Raab mit einer neuen wöchentlichen Sendung auf RTL+ am Start, die mittlerweile auch im Free-TV auf RTL ausgestrahlt wird. Dabei hat er sich ein Format geschaffen, das genau an jene Nostalgie anknüpft, die ihn so populär gemacht hat. Und ja, er schafft es tatsächlich, seine alte, provokante Art wieder aufleben zu lassen – nur dass der Humor heute nicht mehr so funktioniert wie damals. Viele seiner Witze wirken altbacken, oft einfach nur plump und aus der Zeit gefallen. In der heutigen Medienlandschaft, die sich zunehmend mehr für politisch korrekte und respektvolle Unterhaltung einsetzt, wirkt Raab oft wie der Dinosaurier, der nicht merkt, dass er längst ausgestorben ist.

Natürlich gab es immer schon Fans, die Raabs Humor schätzten – den derbe frechen, ironischen Umgang mit seinen Gästen, die ungenierten Sprüche und den Mut, mit allem und jedem zu spielen. Doch der Humor, der in den 2000ern noch als erfrischend und mutig galt, ist heute nicht mehr mehrheitsfähig. In einer Welt, die zunehmend auf gesellschaftliche Verantwortung und respektvollen Umgang achtet, wirkt der Raab von heute mehr wie ein Relikt aus einer Zeit, in der Diskriminierung noch als „locker“ und „frech“ galt. Ja, er hat sich weiterentwickelt, aber die Weiterentwicklung kommt zu spät. Statt den Sprung in die neue Zeit zu wagen, bleibt Raab zu oft in seinen alten Mustern hängen, die nicht mehr wirklich zeitgemäss sind. Da hilft es wenig, dass er sich jetzt als Juror beim ESC zeigt – eine Rolle, die nicht zu ihm passt und die ihn nicht gerade in einem besseren Licht erscheinen lässt.

Seit Februar 2025 ist Raab des Weiteren erneut am deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest beteiligt, und zwar als leitender Juror in der Show „Chefsache ESC 2025 – Wer singt für Deutschland?“. In dieser Rolle agiert er zusammen mit Yvonne Catterfeld, Elton und wechselnden Gastjuroren wie Max Mutzke, Johannes Oerding und Max Giesinger. Die Auswahl der ESC-Teilnehmer ist in gewisser Weise seine Rückkehr zu den musikalischen Anfängen, als er noch in der Musikszene ein gewisses Gewicht hatte. Doch hier bleibt der Eindruck, dass Raab in dieser Funktion nicht mehr wirklich glänzt. Statt als kreativer Kopf, der neue Talente fördert, wirkt er oft wie ein Relikt aus der Vergangenheit, das sich an den Erfolgen vergangener Tage klammert. Während andere Juroren frischen Wind in die Auswahl bringen, bleibt Raab der ewige Zyniker, der das grosse Ganze gerne in Frage stellt, ohne wirklich konstruktiv zu werden. Die Sendung wird von vielen eher als ein nostalgisches Spielzeug von Raab selbst wahrgenommen, als als ein ernsthafter Beitrag zur Musiklandschaft.

Doch ist es wirklich so schlimm, dass er wieder auf die grosse Bühne zurückkehrt? Einige mögen sagen: „Ja, er ist ein Entertainer, und solche Leute hat das Fernsehen nun mal gebraucht.“ Aber ist er das noch? Der Mann, der einst in „TV total“ für Chaos und Comedy sorgte, hat sich längst überlebt. Seine Scherze wirken zunehmend einfallslos, seine Sprüche wirken abgestanden. Seine Rückkehr zu „altbewährten“ Formaten mag zwar Quoten bringen, aber sie ist nicht mehr die aufregende, frische Brise, die das Fernsehen von ihm einst erwartete. Er hat den Charme des Unberechenbaren verloren und damit auch einen wesentlichen Teil seines ursprünglichen Erfolges.

Es gibt viele, die argumentieren, dass er sich mit seiner neuen Sendung und seiner Rolle im ESC-Vorentscheid wieder beweisen kann. Doch das ist eine Illusion. Denn Raab hat sich über die Jahre hinweg nicht wirklich verändert – und das merkt man. In einer Zeit, in der sich das Medien- und Unterhaltungsgeschäft ständig weiterentwickelt, bleibt Raab ein Mann der Vergangenheit, der nicht zu merken scheint, dass seine Zeit längst vorbei ist. Wo andere Prominente ihre Fehler einsehen und sich neu erfinden, bleibt Raab in den alten Mustern verhaftet. Er ist der Entertainer, der immer noch glaubt, dass er mit ein paar Sprüchen und einem bisschen Chaos den Erfolg zurückerobern kann. Dabei sind es genau diese Sprüche, die heutzutage mehr und mehr als unpassend und plump wahrgenommen werden.

Warum kann er nicht erkennen, dass der Humor der Vergangenheit nicht mehr die Aufmerksamkeit bekommt, die er früher hatte? Die Zeiten, in denen die Leute sich über einen Spruch wie „Schnecke“ oder die unzähligen Anspielungen auf Äusserlichkeiten amüsierten, sind endgültig vorbei. Der moderne Zuschauer erwartet mehr: mehr Substanz, mehr Respekt und vor allem mehr Sensibilität. Leider bleibt Raab bei vielen seiner alten, teilweise frauenfeindlichen Witze stecken, die selbst in der Unterhaltung heute einfach unangebracht sind.

Fazit: Raab – der letzte Versuch, sich zu beweisen

Es tut mir leid, aber ich kann nicht an Raabs Comeback glauben. Ja, er hat seinen Platz in der Fernsehgeschichte – aber heute ist er eher ein Relikt als eine innovative Kraft. Ein Mann, der sich immer noch als der unerschrockene, freche Entertainer sieht, der keine Grenzen kennt. Doch der Markt hat sich geändert, das Publikum auch, und Raab ist dabei, den Anschluss zu verlieren. Seine Rückkehr mag in gewisser Weise Nostalgie beflügeln, aber sie zeigt vor allem eines: Raab hat nicht wirklich verstanden, dass es mehr braucht als ein paar alte Sprüche und eine Sendung, die wie ein wiederbelebter Zombie wirkt. Vielleicht wäre es besser gewesen, er hätte sich ganz aus dem Fernsehen zurückgezogen und sich den Blick auf die Vergangenheit erspart. Denn der Stefan Raab von heute ist ein Schatten seiner selbst – und er wird nie wieder der werden, der er einmal war.

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