Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Bundesbern im Leak-Fieber – Wer petzt, gewinnt!

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 01.03.2025 12:30
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Bern, die Hauptstadt der Schweiz, einst bekannt für gemütliche Langsamkeit, feinen Schokolade-Duft und politische Präzision, gleicht derzeit eher einer Folge von House of Cards – allerdings mit weniger Charisma und mehr Verwirrung. Da fliegen die Fetzen, da werden Anwälte beauftragt, da werden gegenseitige Schuldzuweisungen mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks verteilt.

Was ist passiert? Nun, der Chef der Armee, der Chef des Nachrichtendienstes und die Verteidigungsministerin selbst haben sich verabschiedet. Normalerweise wäre das ein Grund zur Sorge – schliesslich ist Europa nicht gerade ein friedliches Pflaster. Aber nein, in Bern wird nicht über Strategien und Lösungen diskutiert, sondern über die wichtigste aller Fragen: Wer hat es zuerst verraten?

Ein Leck! Ein Skandal! Wer hat gepetzt? Und warum? Und vor allem: Kann man den Schuldigen verklagen, feuern oder wenigstens ordentlich zur Schnecke machen? Man könnte fast meinen, es handle sich um einen Krimi mit geheimen Informanten, dunklen Machenschaften und einer undichten Stelle in einem vermeintlich unerschütterlichen System. Doch das hier ist kein Thriller – das ist Bundesbern im Jahr 2025.

Besonders amüsant ist ja, dass sich der Streit um Informationslecks dreht, während Informationen weiterhin fröhlich aus allen möglichen Richtungen durchsickern. Offiziere wussten Bescheid, Politiker wussten Bescheid, Journalisten wussten Bescheid – wahrscheinlich wusste selbst der nette Herr an der Kaffeebar im Bundeshaus Bescheid, bevor der Gesamtbundesrat informiert wurde. Wer braucht noch Geheimdienste, wenn alles auf offener Bühne ausgetragen wird?

Und als wäre das alles nicht schon absurd genug, engagiert das Verteidigungsdepartement nun einen Anwalt. Gegen die Presse? Gegen das eigene Haus? Gegen das Internet, weil Informationen halt manchmal die blöde Angewohnheit haben, sich zu verbreiten? Währenddessen fordert die FDP eine öffentliche Entschuldigung – vermutlich auch in dreifacher Ausführung, beglaubigt und mit Briefmarke.

Aber wer braucht in Zeiten globaler Unsicherheiten schon eine funktionierende Sicherheitsstrategie, wenn man sich mit wesentlich wichtigeren Dingen beschäftigen kann? Zum Beispiel mit der Frage, ob die Finanzministerin die Verteidigungsministerin mag oder nicht. Oder mit der Kunst, Informationen so lange geheim zu halten, bis sich wirklich niemand mehr dafür interessiert.

Am Ende bleibt nur eine Erkenntnis: Das wahre Problem ist nicht das Leck, sondern die Löcher im politischen Selbstverständnis. Vielleicht sollte sich die Landesregierung einfach eine grosse Rolle Klebeband besorgen – nicht für die Leaks, sondern für die Nerven. Denn die liegen in Bern gerade wirklich blank.

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