Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Blatter, Platini und die Farce der Gerechtigkeit – Ein Theaterstück in mehreren Akten

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 05.03.2025 07:15
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Man könnte meinen, man sei in einem absurden Theaterstück gelandet. Auf der Bühne: Sepp Blatter, fast 89 Jahre alt, der sich kämpferisch gibt, als wäre er der tragische Held eines Dramas, und Michel Platini, sein ehemaliger Berater, der mit ihm in die Geschichte der Fussball-Skandale eingegangen ist. In den Nebenrollen: Eine verzweifelte Bundesanwaltschaft, die sich an einen Zeitungsartikel klammert, und eine Fifa, die sich kurzerhand selbst aus dem Verfahren verabschiedet hat.

Erster Akt: Die verschwundene Fifa

Stellen Sie sich vor, Sie gehen zu einem Fussballspiel – und eine Mannschaft taucht einfach nicht auf. Genau das passierte am ersten Verhandlungstag, als Platinis Anwalt die entscheidende Frage stellte: „Wo ist die Fifa?“ Gute Frage! Der Weltverband, der in Sachen Korruption eine lange Tradition pflegt, hatte sich vom Verfahren dispensieren lassen. Und das Gericht quittierte dieses Verhalten mit einer juristischen Roten Karte: Fifa, raus!

Zweiter Akt: Die Verzweiflung der Anklage

Ohne den Weltverband als Nebenklägerin wird es für die Bundesanwaltschaft nicht einfacher. Und wie reagiert sie? Indem sie einen Journalisten als Zeugen aufrufen will! Ernsthaft? Man fragt sich, ob die Ermittler in ihrer Verzweiflung nicht demnächst Wahrsager oder Kaffeesatzleser aufbieten. Wenn die Strafverfolgung auf Zeitungsartikel angewiesen ist, kann sie das nächste Mal vielleicht gleich einen Wikipedia-Eintrag als Beweismittel einreichen.

Dritter Akt: Blatters Moralpredigt

Doch der eigentliche Höhepunkt war – wie könnte es anders sein – Sepp Blatter höchstpersönlich. Der Mann, der jahrzehntelang mit Millionen jonglierte, erklärt dem Gericht: „Wir nehmen nur Geld an, das wir verdient haben. Wir bezahlen unsere Schulden und Steuern. Und wir sind fleissig.“ Ein Spruch, den ihm seine Eltern angeblich mitgegeben haben. Schön wär’s, wenn sich der Sohnemann auch daran gehalten hätte. Aber vielleicht glaubt Blatter ja wirklich, dass sein Kontoauszug und ein Märchenbuch identische Inhalte haben.

Finale: Ein Urteil mit Ansage?

Das Urteil kommt am 25. März. Die Fifa kann nicht mehr Berufung einlegen, der Druck auf Blatter und Platini ist geringer. Und wenn alles läuft wie vor zweieinhalb Jahren, gehen die beiden wieder als (juristisch) Unschuldige nach Hause – mit einem Lächeln, das sagt: War doch alles nur ein Missverständnis.

Die Moral von der Geschichte? Es gibt keine. Nur das Gefühl, dass sich im Fussballzirkus nichts ändert: Die einen spielen, die anderen zahlen – und manche lachen zuletzt.

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