Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Andreas Glarner: Der Stammtisch-Held, den keiner braucht

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 07.03.2025 09:48
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Andreas Glarner ist eine dieser Figuren, die man in der Politik zwar findet, aber nicht wirklich ernst nehmen kann. Ein Mann, der sich selbst als unerschütterlicher Verteidiger der Schweiz sieht, während der Rest der Welt ihn eher als dauerempörten Internet-Troll wahrnimmt. Seine politische Strategie? Laut sein, empören, poltern – und das immer mit der Eleganz eines Elefanten in einem Porzellanladen.

Politik oder Kabarett?

Glarner ist nicht einfach nur SVP-Politiker, er ist eine politische Performance. Während andere sich mit ernsthaften Themen auseinandersetzen, ist er damit beschäftigt, mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Seine Spezialität: Empörung auf Bestellung. Mal ist es ein Kindergarten, der auf Schweinefleisch verzichtet, dann wieder eine Schule, die es wagt, muslimischen Kindern Rücksicht entgegenzubringen.

Natürlich könnte man sich mit Fakten beschäftigen. Man könnte prüfen, ob ein Problem wirklich existiert oder ob es sich um eine gezielte Übertreibung handelt. Aber das ist nicht Glarners Stil. Er lebt von der Empörung, von der einfachen Schlagzeile für komplizierte Probleme.

Twitter als Hauptarbeitsplatz

Während andere Politiker an Lösungen arbeiten, verbringt Glarner seine Zeit lieber auf Twitter. Dort verteilt er Spitzen gegen Linke, Migranten, Journalisten oder einfach gegen alles, was ihm gerade nicht passt. In seinen Tweets gibt es keine Nuancen, keine Differenzierung – nur schwarz und weiss, gut und böse.

Sein Rezept: Erst skandalisieren, dann zurückrudern. Falls der Shitstorm zu gross wird, heisst es, alles sei nur «missverstanden» worden. Und falls doch mal eine Grenze überschritten wird? Einfach weiter im Text. Konsequenzen gab es für ihn bisher kaum, also warum aufhören?

Integration à la Glarner: Anpassen oder verschwinden

Das Thema Migration ist seine Lieblingsspielwiese. Integration bedeutet für ihn, dass Migranten sofort Schweizerdeutsch sprechen, an der 1.-August-Feier die Nationalhymne mitsingen und gefälligst keine Extrawünsche haben. Wer das nicht tut, ist automatisch Teil des Problems.

Seine Methode, um Integration zu fördern? An den Pranger stellen. Schulen, in denen es «zu viele» ausländische Namen gibt, müssen öffentlich entlarvt werden. Familien, die angeblich zu viele Sozialleistungen beziehen, gehören in die Zeitung. Das ist keine Politik, das ist schlicht und einfach Denunziation.

Schweizer Werte? Eher nicht.

Glarner redet gerne von Schweizer Werten. Von Anstand, Respekt und Heimatliebe. Nur blöd, dass er sich selbst nicht daran hält. Anstand? Fehlanzeige, wenn er Menschen öffentlich vorführt. Respekt? Nicht vorhanden, wenn er Andersdenkende diffamiert. Heimatliebe? Die besteht bei ihm darin, ständig zu behaupten, die Schweiz stehe kurz vor dem Untergang.

Das Schönste daran: Während er sich als Kämpfer für den kleinen Mann inszeniert, lebt er selbst ganz gut von seinem politischen Theater. Als Unternehmer hat er sich ein ordentliches Vermögen aufgebaut. Dass er sich trotzdem gerne als Opfer der linksgrünen Elite inszeniert, ist fast schon Comedy.

Der Schreihals der SVP

Man könnte Glarner ignorieren, wenn er nicht so laut wäre. Er ist derjenige, der immer noch eine Schippe drauflegt, wenn andere in seiner Partei schon längst einen Gang zurückschalten. Während viele SVP-Politiker sich zumindest um einen Hauch von Seriosität bemühen, ist Glarner der Schreihals, der das ganze Fest sprengt.

Er ist nicht da, um Probleme zu lösen. Er ist da, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und das funktioniert. Seine Skandälchen schaffen es regelmässig in die Medien, seine Empörung erreicht die Stammtische, seine Polemik findet genug Zuhörer. Doch am Ende bleibt nur heisse Luft.

Fazit: Viel Lärm um nichts

Andreas Glarner ist der Prototyp eines Politikers, den man nicht ernst nehmen kann. Ein Mann, der sich selbst als Retter der Schweiz sieht, während er in Wirklichkeit nur ein lautes, aber wenig produktives Element im politischen Zirkus ist. Sein grösstes Talent? Skandalisieren ohne Substanz.

Würde er morgen von der politischen Bühne verschwinden, würde sich – ausser ein paar empörten Tweets weniger – nicht viel ändern. Seine Bilanz als Politiker? Polemik statt Fortschritt, Spaltung statt Lösungen. Und das Beste daran: Er wird es als Kompliment sehen.

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