Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Trump gegen die Schweiz: Handelskrieg aus dem Tollhaus

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 11.03.2025 09:03
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Donald Trump ist zurück – und mit ihm der wirtschaftspolitische Zirkus. Kaum wieder im Weissen Haus, beginnt der selbsternannte Deal-Maker, die Welt nach seinem Geschmack umzusortieren. Diesmal trifft es die Schweiz. Dieses kleine, aber feine Land, das in Sachen Handelsmoral ungefähr so verdächtig ist wie eine Klosterschwester in der Buchhaltung, soll laut Trump „unfaire Handelsmethoden“ praktizieren. Die Konsequenz? Eine offizielle Platzierung auf einer schwarzen Liste der USA.

Und während man in Bern noch ungläubig die Stirn runzelt, feiert man in Washington die neueste Errungenschaft der „America First“-Politik: einen neuen Sündenbock für das amerikanische Handelsdefizit.

Die grosse Farce

Dass die Schweiz sich auf dieser Liste wiederfindet, ist so grotesk, dass man sich fragt, ob das Ganze nicht eine besonders absurde Episode von The Apprentice: Trade War Edition ist. Denn wer auch nur einen flüchtigen Blick auf die Handelsbeziehungen wirft, merkt schnell: Wenn hier jemand unfair spielt, dann nicht die Schweizer.

Die Schweiz hat in den letzten Jahren ihre Industriezölle einseitig abgeschafft, Pharma-Produkte können ohne Aufschläge importiert werden, und amerikanische Unternehmen geniessen freien Zugang zum hiesigen Markt. Und doch steht das Land jetzt auf einer Liste, auf der man sonst üblicherweise China oder Russland findet.

Der Grund? Laut Trump ist die Schweiz ein Währungsmanipulator und betreibt eine zu einseitige Handelsbilanz. Dass die USA selbst einen satten Überschuss bei Dienstleistungen mit der Schweiz haben? Geschenkt. Solche Details würden ja nur den schönen Populismus ruinieren.

Das eigentliche Ziel: Der Wahlkampf-Zirkus

Nun wäre es naiv zu glauben, Trump gehe es wirklich um die Schweiz. Tatsächlich passt sie ihm gerade nur perfekt ins politische Kalkül. Seine zweite Amtszeit hat begonnen, die USA steuern auf die Zwischenwahlen 2026 zu, und die altbewährte Taktik „Wir gegen die bösen Ausländer“ wird erneut ausgepackt.

China wäre der logische Feind, aber mit Peking will Trump sich nicht sofort anlegen. Die EU? Ein zu grosser Brocken. Also nimmt er sich einen kleinen, wohlhabenden Staat vor, der sich nicht mit wüsten Drohungen wehren wird. Ein ideales Ziel für einen Präsidenten, der mehr Wert auf medienwirksame Gesten legt als auf wirtschaftlichen Sachverstand.

Was nun? Zittern oder Trotzen?

Noch hat der Entscheid keine konkreten Konsequenzen, doch Strafzölle sind nicht ausgeschlossen. Die USA könnten Schweizer Produkte mit Zusatzabgaben belegen, was die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Exporteure schwächen würde.

Doch Handelsprofessor Reto Föllmi von der HSG gibt sich vorsichtig optimistisch. Er glaubt nicht, dass sich allfällige Strafzölle nur gegen die Schweiz richten würden. Viel wahrscheinlicher sei, dass auch die EU betroffen wäre – und das könnte sich als Vorteil entpuppen.

Denn wenn Brüssel mit Gegenzöllen reagiert, geraten plötzlich amerikanische Unternehmen in Bedrängnis. Und das könnte für Schweizer Firmen neue Chancen eröffnen, indem sie in entstehende Marktlücken springen. Es wäre eine köstliche Ironie: Trump will die Schweiz bestrafen, und am Ende profitieren ihre Unternehmen.

Bern muss laut werden – aber auf die Schweizer Art

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gibt sich betont ruhig. Die Schweiz sei einer der grössten Investoren in den USA, heisst es, Schweizer Firmen schafften dort fast eine halbe Million Arbeitsplätze mit Traumgehältern von durchschnittlich 131’000 Dollar.

Alles schön und gut – nur leider interessieren Trump keine Zahlen. Ihm geht es um den grossen Show-Effekt. Wer sich auf seine Vernunft verlässt, kann sich auch gleich auf ein Ruderboot mitten im Sturm verlassen.

Also muss Bern lauter werden. Und zwar auf die eigene Art: Nicht mit Twitter-Rants oder Drohungen, sondern mit gezielter Diplomatie und Wirtschaftsmacht im Rücken. Denn während Trump lauthals poltert, entscheidet in Washington letztlich immer noch das Geld. Und davon hat die Schweiz bekanntlich genug, um sich Gehör zu verschaffen.

Ob das funktioniert? Man wird sehen. Aber eines ist sicher: Trump ist zurück – und die Schweiz hat sich völlig ungewollt in seinem Handelszirkus wiedergefunden. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht als Sündenbock enden muss.

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