Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Glarners Angst vor berühmten Gesichtern

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 14.03.2025 23:38
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Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzt ein Nationalrat in Bern und denkt sich, dass es eine der drängendsten Herausforderungen unseres Landes sei, dass Ex-Journalisten ins Parlament einziehen. Nicht steigende Krankenkassenprämien, nicht die Wohnungsnot, nicht die Klimakrise – nein, das wirklich brennende Problem ist, dass ein gewisser Ueli Schmezer nach seiner TV-Karriere in die Politik wechselte. Die Schweiz steht am Abgrund!

Glarner argumentiert, dass diese Menschen durch ihre frühere Medienpräsenz einen unfairen Vorteil hätten. Ein bisschen so, als hätte er Angst, dass sich die Wählerschaft von bekannten Gesichtern blenden lässt. Aber warten wir kurz: Ist das nicht exakt das Prinzip, nach dem auch die SVP funktioniert? Seit Jahrzehnten setzt die Partei auf populistische Figuren, die in den Medien polarisieren, um sich dann als Retter des Abendlandes aufzuspielen. Man denke an Blocher, Martullo-Blocher oder Köppel. Mediale Dauerpräsenz als Karriereleiter? Kein Problem – solange es für die „richtige“ Partei ist.

Heuchlerische Doppelmoral à la SVP

Denn wenn Glarner tatsächlich ein Problem mit Medienprominenz in der Politik hätte, dann müsste er sich auch an die eigene Nase fassen. Oder zumindest an die seiner Partei. Immerhin gab es in der Vergangenheit genügend Ex-SRF-Moderatoren, die für bürgerliche Parteien kandidierten. Von Maximilian Reimann (SVP) über Werner Vetterli (SVP) bis hin zu Filippo Leutenegger (FDP) – alle profitierten von ihrer Bekanntheit, um politische Karriere zu machen.

Aber klar, das ist etwas anderes. Weil sie ja auf der „richtigen“ Seite standen. Dass Glarner das nicht erwähnt, ist wenig überraschend. Peinlich bleibt es trotzdem.

Demokratie à la Glarner: Nur für die Richtigen!

Das eigentliche Problem an Glarners Vorstoss ist aber nicht nur seine Heuchelei, sondern sein mangelndes Demokratieverständnis. Sein Vorschlag würde eine willkürliche Berufsgruppe ausschliessen, und das ohne jegliche juristische Grundlage. Die Bundesverfassung? Egal. Die Meinungs- und Wahlfreiheit? Unwichtig. Alles, was zählt, ist, dass die SVP ihre Gegner einschränken kann.

Man könnte fast meinen, Glarner fürchte sich davor, dass die Wählerinnen und Wähler informierte Entscheidungen treffen. Vielleicht ist es ihm lieber, wenn Parlamentsmitglieder vor allem durch lautstarke Phrasen, leere Versprechungen und Polemik auffallen – also genau so, wie er es selbst praktiziert.

Ein Stehsatz nach dem anderen – ohne Erfolg

Das Beste an der ganzen Geschichte? Genau dieser Unsinn wurde bereits diskutiert – und abgelehnt. Vor nicht allzu langer Zeit versuchte SVP-Nationalrat Lukas Reimann dasselbe. Ergebnis? Der Nationalrat verwarf die Idee als verfassungswidrig. Man könnte meinen, Glarner hätte das mitbekommen. Oder er hält es für eine brillante Strategie, gescheiterte Ideen einfach noch einmal vorzubringen – in der Hoffnung, dass irgendwann jemand vergisst, dass sie Unsinn sind.

Aber vielleicht ist genau das der Punkt. Es geht gar nicht darum, tatsächlich etwas durchzubringen. Es geht nur darum, laut zu sein. Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Wut der eigenen Wählerbasis zu schüren. Und dafür ist jede noch so absurde Idee willkommen.

Glarners nächster Coup?

Wenn das das Niveau ist, auf dem Glarner Politik betreibt, dann dürfen wir gespannt sein, was als Nächstes kommt. Vielleicht eine Initiative, die Lehrern verbietet, nach ihrer Pensionierung für die SP zu kandidieren? Oder eine Wartefrist für Gewerkschafter, bevor sie in die Politik gehen? Oder vielleicht ein Verbot für Journalisten, überhaupt noch zu atmen, wenn sie sich nicht ausdrücklich zur SVP bekennen?

Egal, was als Nächstes kommt – eines ist sicher: Die Peinlichkeitsgrenze wird noch einmal verschoben. Glarner ist ein Meister darin, sich selbst zu übertreffen. Ein Clown im politischen Zirkus, der sich für den Direktor hält, aber nicht merkt, dass das Publikum längst über ihn lacht.

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