Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Emil Steinberger: Ein Leben voller Lachen – und ein bisschen Schicksal

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 17.03.2025 23:26
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Wie macht er das? Wie bleibt ein Mensch so lange so präsent, so wach und so beliebt? Irgendwann muss doch mal Schluss sein mit all der Scharfsinnigkeit, den treffsicheren Pointen, dem charmanten Schalk. Aber nein – Emil Steinberger bleibt Emil.

Seit Jahrzehnten bringt er die Menschen zum Lachen, und das ohne Klamauk, ohne grelle Effekte, ohne schreiende Pointen. Er braucht keine schrillen Kostüme, kein wildes Herumhüpfen auf der Bühne. Ein schlichter Mantel, ein Hut, eine kleine Unsicherheit in der Stimme – und schon hat er uns. Emil ist nicht nur eine Figur auf der Bühne, er ist ein Lebensgefühl. Ein Stück Schweiz, ein Stück Nostalgie, ein Stück “Ach, genau so ist es doch!”

Der Mann, der fast Postbeamter geblieben wäre

Es gibt Menschen, die wissen schon als Kind, dass sie später einmal in der Manege oder auf der Theaterbühne stehen werden. Emil Steinberger wusste das nicht. Er wäre beinahe in den unendlichen Weiten der Schweizer Bürokratie verschwunden – als Postbeamter!

Ja, man stelle sich das mal vor: Statt auf der Bühne hätte er am Schalter gestanden und verloren wirkenden Kunden den richtigen Stempel für das richtige Formular gesucht. Und wer weiss? Vielleicht hätte er daraus eine Kunst gemacht. Vielleicht wären Schlangen an seinem Schalter länger gewesen als anderswo, weil die Leute sich heimlich über seine Art amüsiert hätten.

Aber zum Glück kam alles anders. Die Bühne rief, und Emil folgte.

Weniger Klamauk, mehr Augenzwinkern

Emils Humor ist ein bisschen wie ein guter Schweizer Käse – nicht zu laut, nicht zu grell, aber mit Tiefe und Charakter. Seine Sketche funktionieren nicht über billige Witze oder Schenkelklopfer. Nein, er erzählt von den kleinen Katastrophen des Alltags. Vom Schalterbeamten, der alles richtig machen will und dabei alles falsch macht. Vom Dia-Vorführer, der an seiner eigenen Technik scheitert. Vom braven Bürger, der in einer bürokratischen Sackgasse steckt und sich fragt, ob es da jemals wieder hinausgeht.

Sein Humor ist sanft, aber präzise. Er lässt seine Figuren scheitern – aber immer mit Würde. Und vor allem: Wir erkennen uns in ihnen wieder. Wer hat nicht schon einmal mit einem widerspenstigen Kugelschreiber gekämpft, mit einem undurchsichtigen Formular oder mit der gnadenlosen Logik eines Beamten, der sagt: „Das müssen Sie verstehen, Herr… äh… Moment, wo war jetzt Ihr Antrag?“

Die Kunst der Pause

Ein Komiker braucht nicht nur eine gute Pointe, er braucht auch den perfekten Moment, um sie zu setzen. Und genau da ist Emil ein Meister.

Er kann eine Geschichte erzählen, einen Satz anfangen – und dann innehalten. Ein Blick ins Publikum, ein kurzes Nachdenken, ein Zögern. Und plötzlich liegt die Pointe in der Luft, bevor sie überhaupt gesprochen wird.

Das ist hohe Kunst! Andere Comedians rennen von Pointe zu Pointe, als gäbe es eine Prämie für die meisten Witze pro Minute. Emil hingegen lässt sich Zeit. Er weiss: Manchmal ist eine Pause lustiger als zehn Worte.

Schweizer Humor für die Welt

Man könnte meinen, dass Emils Humor so typisch schweizerisch ist, dass er jenseits der Landesgrenzen nicht funktioniert. Aber weit gefehlt! Auch in Deutschland lieben sie ihn. Vielleicht, weil er nicht poltert, nicht schreit, nicht beleidigt. Sondern weil er etwas kann, das heute fast schon verloren gegangen ist: feine Ironie ohne Bosheit.

Er zeigt uns den Wahnsinn des Alltags, aber nicht mit dem Holzhammer. Er bringt uns zum Lachen, ohne dass wir uns danach schlecht fühlen. Und das ist eine grosse Kunst – vielleicht die grösste.

Der Mann, der nicht stillstehen kann

Wer denkt, dass Emil sich irgendwann zur Ruhe gesetzt hat, der kennt ihn schlecht. Er könnte doch längst auf einer Bank am Vierwaldstättersee sitzen, Tauben füttern und den Wellen zusehen. Macht er aber nicht. Stattdessen schreibt er Bücher, tritt auf, gibt Lesungen.

Manchmal fragt man sich: Hat dieser Mann überhaupt einen Pause-Knopf? Oder ist er, einmal in Bewegung gesetzt, nicht mehr zu stoppen? Vielleicht ist es das, was ihn jung hält: die Lust, immer noch Neues zu erzählen.

Emil bleibt Emil

Und das ist wohl das Schönste an ihm. Er hat sich nie verbiegen lassen. Kein Klamauk, kein billiger Trend, keine krampfhaften Versuche, sich der „jungen Generation“ anzubiedern.

Emil bleibt Emil. Und genau deshalb lieben wir ihn.

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