1. Sprache am Abgrund – oder schon drüber?
Es gibt Dinge, die einfach nicht aus der Mode kommen: schlechte Wortspiele, Bürokratie – und das Unvermögen, die eigene Sprache zu beherrschen. Während die Welt über künstliche Intelligenz, Klimawandel und vegane Fleischalternativen diskutiert, stolpern wir munter über unsere eigene Grammatik, als wäre sie eine besonders fiese Stolperfalle auf dem Gehweg der Bildung.
Seid ihr seit Jahren verwirrt?
Es fängt ja harmlos an. Da gibt es Menschen, die seit Jahren glauben, „seid“ und „seit“ seien dasselbe. Die schreiben dann Dinge wie „Seit ihr morgen da?“ – und während sich der Deutschlehrer von damals vermutlich im Grab umdreht (oder in seinem Sessel leise weint), bleibt die Frage: Warum? Ist es wirklich so schwer? Man kann es sich doch merken: „seit“ bezieht sich auf die Zeit, „seid“ auf den Zustand. Wer’s verwechselt, sollte vielleicht seit der Grundschule noch mal nachsitzen.
Die einzigste Katastrophe
Noch so ein Klassiker: „Das ist die einzigste Möglichkeit.“ Einzigste?! NEIN. Es gibt keine Steigerung von „einzig“. Das Wort bedeutet „einmalig“. Punkt. Man sagt ja auch nicht „der toteste Mensch“ oder „die rundeste Kugel“. Und trotzdem hört man es ständig. Vielleicht ist das Problem auch einfach, dass die einzigste Möglichkeit, sich das zu merken, ein funktionierendes Gehirn wäre.
Gender-Wahnsinn: Ein Grammatik-Massaker
Und dann gibt es noch die Sache mit der inklusiven Sprache. Natürlich, niemand hat etwas gegen Gleichberechtigung. Aber wenn offizielle Stellen anfangen, „Mitglieder:innen“ oder „Bürger:innen“ zu schreiben, fragt man sich: Ist das wirklich noch Deutsch – oder der verzweifelte Versuch, unsere Sprache in eine Gender-Presswurst zu verwandeln? Besonders lustig wird es, wenn dann in der nächsten Zeile von „der Bevölkerung“ oder „der Wählerschaft“ die Rede ist – beides Wörter, die alle Geschlechter inkludieren, aber plötzlich niemanden mehr zu stören scheinen.
Liebes Deutsch, du warst mal eine stolze Sprache mit klaren Regeln. Heute wirkst du, als hättest du zu viele Meetings mit Bürokraten und zu wenig Selbstachtung.
Wen oder wenn? Hauptsache falsch!
„Wen er lauft, dann frägt er mich, ob ich einzigste hier bin.“ – Was klingt wie das Manifest einer sprachlichen Apokalypse, ist gar nicht so weit von der Realität entfernt. Manche Menschen glauben ernsthaft, „wenn“ könne man immer dann benutzen, wenn etwas passiert. Nein. „Wenn“ drückt eine Bedingung aus: Wenn du das hier liest, bist du ein Held. „Wen“ dagegen fragt nach einer Person: Wen interessiert das? (Hoffentlich dich.)
Und dann wäre da noch „frägt“. Die einzige Daseinsberechtigung dieses Wortes ist, dass es als Paradebeispiel für sprachliche Verstümmelung dient. Richtig heisst es „fragt“. Warum? Weil es so ist. Punkt.
Ne oder nh? Die letzte Stufe der Sprachverweigerung
„Ne“ ist umgangssprachlich für „nein“. Das kann man akzeptieren. Aber „nh“?! Was ist das? Der Versuch, Sprache auf das absolute Minimum zu reduzieren? Die nächste Stufe wäre dann wohl, nur noch mit Emojis zu kommunizieren: „?“ statt „Was meinst du?“, „!“ statt „Ich bin wütend.“ Vielleicht sollten wir direkt ganz auf Sprache verzichten und nur noch telepathisch kommunizieren.
Fazit: Rettet die Sprache!
Natürlich entwickelt sich Sprache. Das ist normal. Aber es ist ein Unterschied, ob sie sich weiterentwickelt oder ob wir sie mit Anlauf gegen die Wand fahren. Ein bisschen Sorgfalt kann nicht schaden – schliesslich verständigen wir uns mit Sprache, nicht mit Rauchzeichen.
In diesem Sinne: Bitte, liebe Leute, macht es richtig. Oder schweigt für immer.
Danke. Gerngeschehen.
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