1. Martullo-Blocher: Von Graubünden nach Zürich – oder wohin auch immer die Karriere führt
Die SVP steht in Graubünden vor einem Problem: Der Kanton verliert voraussichtlich einen Nationalratssitz. Und wenn einer gehen muss, dann trifft es entweder SVP-Kantonalpräsident Roman Hug oder Magdalena Martullo-Blocher. Doch während sich ein gewöhnlicher Politiker in so einer Situation um seine Wiederwahl sorgen würde, denkt eine Martullo-Blocher unternehmerisch: Wenn der Markt zu klein wird, sucht man sich eben einen neuen.
Und was für ein Glück: Sie wohnt ja ohnehin längst in Zürich, an der Goldküste, weit weg von den Bündner Bergtälern, in denen sie ihre Wählerstimmen holt. Dass sie seit 2015 für Graubünden im Nationalrat sitzt, war ohnehin mehr eine geschäftliche Notwendigkeit als eine Frage der Verbundenheit. Die EMS-Chemie hat dort ihren Sitz, das Unternehmen ist einer der grössten Arbeitgeber der Region, und ihr Vater, Christoph Blocher, herrscht über Schloss Rhäzüns. Natürlich war es da praktisch, als Bündner Politikerin aufzutreten – selbst wenn der Lebensmittelpunkt längst ein anderer war.
Doch nun, wo die politische Landschaft im Bündnerland ungemütlich wird, bietet sich eine elegante Lösung an: Zürich. Dort gibt es genug SVP-Sitze, da fällt einer mehr oder weniger nicht auf. Und falls jemand nach dem Wohnsitz fragt – ach, Politik ist doch kein Meldeamt! Wer für welchen Kanton kandidiert, ist am Ende des Tages eine Formsache. Man muss nur eine Liste finden, auf die man gesetzt wird. Und die Zürcher SVP hat bereits durchblicken lassen, dass man gesprächsbereit ist.
Einziger Haken: Zürich ist nicht Graubünden. Hier reicht es nicht, eine grosse Firma zu erben und einen berühmten Namen zu tragen. Zürich ist das grösste politische Haifischbecken der Schweiz. Wer hier antreten will, muss sich gegen Politiker behaupten, die seit Jahren ihre Hausaufgaben machen – und die nicht einfach aus Opportunität den Kanton wechseln. Hier gibt es keine garantierten Wahlgeschenke.
Martullo-Blocher müsste sich erstmals einem echten Beliebtheitstest stellen. Im Bündnerland war ihr Name eine sichere Bank, aber in Zürich? Dort holten bisher Leute wie Jacqueline Badran oder Natalie Rickli Spitzenresultate – Politiker, die in ihren Kreisen echte Zugpferde sind. Hier wird nicht einfach abgenickt, hier wird gewählt. Und es könnte gut sein, dass eine Martullo-Blocher zum ersten Mal in ihrer politischen Karriere merkt, dass man für Wählerstimmen mehr braucht als einen grossen Konzern und einen bekannten Vater.
Doch falls es nicht klappt? Kein Grund zur Panik. Dann geht es eben woanders weiter. Ein anderer Kanton, ein einträglicher Lobby-Posten, ein Verwaltungsratssitz – es gibt genug Alternativen für jemanden mit ihrem Netzwerk. Denn Politik ist für Martullo-Blocher kein Dienst an der Bevölkerung, sondern eine Karriereoption. Und wenn ein Markt nicht mehr profitabel ist, dann sucht man sich eben einen neuen. Wähler sind schliesslich auch nur Kunden – man muss sie nur dazu bringen, das richtige Produkt zu kaufen. Und wenn das nicht gelingt? Dann war es eben der falsche Markt.
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