1. Die Welt steht Kopf – und Trump steht wieder mittendrin
Was macht man, wenn man nichts gelernt hat, aber trotzdem gerne das Steuer übernimmt? Richtig: Man wird zum zweiten Mal US-Präsident. Und wenn man dann noch denkt, Wirtschaft sei so simpel wie ein Golfspiel in Mar-a-Lago, dann erklärt man halt einfach mal den Welthandel zur Notlage. Voilà: Donald J. Trump, zurück im Weissen Haus, mit frisch geöltem Megafon und altbewährtem Populismus.
Diesmal also: Tarife. Zehn Prozent auf alles – ausser Tiernahrung. Oder doch nicht? Doch, auf fast alles. Aber nicht auf Kupfer. Oder Pharmazeutika. Oder Autos, die sowieso schon unter Trumps Spezialbehandlung leiden. Und selbstverständlich nicht auf Energie, weil man ja nicht riskieren will, dass das gute Fracking-Gas auf dem Heimmarkt liegen bleibt. Was das genau mit einer „nationalen Notlage“ zu tun hat? Gute Frage. Die Antwort lautet wohl: „Make America Great Again“, Staffel 2.
Der neuste Geniestreich des Ex-Immobilienmoguls läuft unter dem Titel “Reciprocal Tariffs” – also Gegenseitigkeit, aber bitte nur, wenn’s uns passt. Trump will, dass andere Länder die USA so behandeln wie sie selbst behandelt werden – was natürlich komplett ignoriert, dass der Welthandel kein Sandkasten ist, in dem man „Du hast angefangen!“ schreien und dann beleidigt mit der Schaufel werfen kann.
Und jetzt kommt’s: Die Schweiz hat’s mal wieder erwischt. 31 Prozent Strafzoll! Wir, das Land mit Kuhglocken, Präzisionsuhren und einem Hang zur Neutralität, stehen plötzlich auf Trumps schwarzer Liste. Warum? Weil wir angeblich eine der „grössten Handelsungleichgewichte“ mit den USA hätten. Wie genau das zustande kam – vielleicht wegen all der Toblerone und Taschenmesser? – bleibt offen. Aber Hauptsache, der grosse, böse Handelsdefizit-Drache wird bekämpft. Mit Zöllen. Weil, das funktioniert ja bekanntlich immer super.
Zur Erinnerung: Bereits in Trumps erster Amtszeit durfte die Welt erleben, wie effektiv seine Wirtschaftspolitik war. Handelskriege wurden geführt, China wurde mit Strafzöllen überzogen, die Preise für Waschmaschinen und Stahl stiegen in den USA, und Bauern im mittleren Westen durften Milliarden an Subventionen einstreichen, weil sie ihre Sojabohnen nicht mehr loswurden. Aber hey, das war ja kein Problem – solange man es „America First“ nannte und einen roten Hut dazu trug.
Und jetzt das gleiche Spiel in Neuauflage. Diesmal unter dem Deckmantel des „International Emergency Economic Powers Act“, einem Gesetz von 1977, das eigentlich für echte Notlagen gedacht war. Aber für Trump ist eine Handelsbilanz eben genauso dramatisch wie ein Hurrikan. Oder wie schlechte TV-Quoten.
Besonders unterhaltsam sind die angeblichen wissenschaftlichen Belege, die Trump und seine Leute auffahren. Da wird mit Studien gewunken, die belegen sollen, dass Zölle die Wirtschaft nicht belasten – als hätte man sich das Ergebnis beim chinesischen Online-Händler des Vertrauens bestellt. Und Ex-Finanzministerin Janet Yellen darf aus dem Kontext gerissene Zitate liefern, um den Eindruck zu erwecken, dass niemand je unter diesen Zöllen leiden wird. Klar. Und ich bin der Papst von Zürich.
Natürlich wird sich die Welt das nicht gefallen lassen. Retorsionsmassnahmen sind vorprogrammiert. Die EU wird zurückzollen, Asien wird die Stirn runzeln, und irgendwo in einem Zürcher Industriequartier wird ein KMU nervös Excel-Tabellen aktualisieren. Willkommen in der neuen Weltordnung: impulsiv, protektionistisch, und so stabil wie Trumps X-Account.
Man muss sich fragen: Was ist Trumps Plan? Will er wirklich die Weltwirtschaft umkrempeln – oder reicht es ihm, dass er sich dabei als grosser Held inszenieren kann? Die Antwort dürfte irgendwo zwischen einem Reality-TV-Drehbuch und einem populistischen Bauchgefühl liegen. Die globalen Konsequenzen sind ihm dabei herzlich egal – Hauptsache, die Basis jubelt und die Schlagzeilen sind rot-weiss-blau eingefärbt.
Und wir hier in Europa? Wir dürfen wieder einmal zusehen, wie der Elefant im Porzellanladen durchdreht. Währenddessen überlegen sich die Schweizer Unternehmen, ob sie ihre Uhren künftig lieber in Liechtenstein montieren lassen. Oder gleich auf TikTok verkaufen – das ist ja vielleicht bald auch verboten.
Fazit: Trump rüttelt nicht nur an der Weltordnung – er reisst die Tür aus den Angeln, tritt sie in den Vorgarten und ruft laut: „Ich hab’s repariert!“ Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen aus diplomatischen Beziehungen, ein unsicherer Welthandel – und ein Präsident, der weiterhin glaubt, dass man Wirtschaft durch Lautstärke gewinnt.
Aber keine Sorge: Wenn alles schiefgeht, können wir ihn ja wieder feuern. Vielleicht diesmal für immer.
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