Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Wenn der Grosse Bruder plötzlich auf den Gartenzwerg zielt

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 04.04.2025 19:18
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Von: Einem ziemlich erstaunten Beobachter mit Restglauben an Ironie

Wer hätte gedacht, dass der selbsternannte Messias der Rechten, Donald J. Trump, dereinst die liebe Schweiz wirtschaftlich übers Knie legen würde – und das mit der subtilen Eleganz eines Presslufthammers? Nicht etwa die SVP. Die feierte seinen Wiedereinzug ins Weisse Haus wie einen Feiertag. Man wähnte sich in sicherer Freundschaft, wie der treue Dackel beim Metzger – nun hängt man, bildlich gesprochen, am Haken des Zoll-Schlachthauses.

Trump, der Mann mit dem politischen Feingefühl eines Rambos im Porzellanladen, hat es wieder einmal geschafft, seine Bewunderer auf dem falschen Fuss zu erwischen. Während halb Europa sich bereits mental auf vier weitere Jahre diplomatischer Magenkrämpfe vorbereitete, tanzte die SVP noch vergnügt auf der transatlantischen Freundschafts-Party.

Ein Hoch auf die politische Naivität – oder war’s einfach Wunschdenken?

Magdalena Martullo-Blocher, ihres Zeichens Nationalrätin, Unternehmerin und Trump-Flüsterin in Personalunion, sah in Trump einen Fan der Schweiz. Man hörte fast das zärtliche «Er liebt uns!» durch die Interviewzeilen hauchen – ein bisschen wie eine Teenagerin, die glaubt, der Rockstar habe ihr vom Bühnenrand aus direkt in die Seele geschaut. Nun ja, die 32 Prozent Strafzoll sprechen eine andere Sprache. Trump liebt uns – aber vielleicht eher so, wie ein Kater seinen Futterspender liebt: bedingt und nur solange der Napf voll ist.

Martullo-Blocher hat sich seit dem Zoll-Hammer nicht geäussert – geschäftlich im Ausland, heisst es. Verständlich. Wer will schon auf der Tribüne stehen, wenn das eigene Team 0:32 hinten liegt?

SVP-Realitätsverweigerung, die fast schon künstlerisch ist

Statt klarer Worte herrscht in der Partei betretenes Räuspern. Thomas Aeschi, SVP-Fraktionschef und diplomatischer Schönredner vor dem Herrn, glaubt an «offensichtliche Falschberechnungen» auf US-Seite. Natürlich! Es kann nur ein Rechenfehler gewesen sein – vielleicht hat sich Trump beim Twittern in der Zahl geirrt? Oder sein Finanzminister dachte, “Switzerland” sei ein chinesischer Provinzstaat?

Thomas Matter, der sonst gerne den wirtschaftlichen Durchblick reklamiert, zeigt «gewisses Verständnis». Auch hier: Ein Hauch von Stockholm-Syndrom weht durch die Parteizentrale – der Täter muss missverstanden worden sein. Vielleicht wollte er ja gar keine Zölle, vielleicht hat ihm bloss wieder jemand falsche Daten gegeben. Der Mann ist schliesslich nicht nur der mächtigste Präsident der Welt, sondern offenbar auch Opfer seiner Umgebung.

Der Glaube an Trump – hartnäckiger als Fusspilz

Und dann ist da natürlich noch Christoph Blocher, der ewige Patriarch, der sich in seinem «Teleblocher»-Kämmerlein immer noch einbildet, Trump sei ein Freund der Schweiz. Vielleicht, weil beide dem Multilateralismus ungefähr so viel abgewinnen können wie einer veganen Grillparty. Oder weil Blocher in Trump ein politisches Spiegelbild sieht – egomanisch, stur, wirtschaftlich getrieben. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Trump jetzt der Schweiz die Handtasche geklaut hat, während Blocher noch deren Reissverschluss lobt.

Doch was bleibt, ist das peinliche Schweigen. Ein paar vereinzelte Stimmen wie Franz Grüter wagen sich mit «enorm und unverständlich» immerhin etwas aus der Deckung – aber selbst das wirkt eher wie das gequälte Eingeständnis eines Fans, der merkt, dass der Lieblingssänger bei seinem Idol-Dasein gleichzeitig ein ausgewachsener Tyrann ist.

Ein diplomatisches Waterloo mit Ansage

Die SVP wollte auf die Siegerstrasse einbiegen und hat sich auf dem Highway Richtung Washington schlicht verfahren. Trump war nie ein verlässlicher Partner, sondern ein launischer Autokrat im Massanzug, der Deals macht wie andere Leute Socken sortieren – spontan, ohne System, dafür mit maximalem Eigennutz. Dass die Schweiz – klein, reich, neutral – plötzlich zur Zielscheibe wird, ist nicht überraschend. Überraschend ist höchstens, dass die SVP wirklich überrascht ist.

Fazit: Wer sich mit dem Bären anfreundet, sollte nicht in Honig getränkt sein

Die grosse Tragik der SVP ist nicht, dass sie Trump mochte. Die grosse Tragik ist, dass sie es immer noch tut. Trotz aller Fakten, trotz wirtschaftlicher Schäden, trotz diplomatischem Gesichtsverlust. Man hat auf das falsche Pferd gesetzt – und reitet es jetzt wie ein Steckenpferd durch die Realität, als wäre nichts passiert.

Aber wer weiss: Vielleicht kommt bald eine neue «Trump versteht uns»-Kampagne. Mit Zollrabatt-Coupons für Ems-Chemie. Oder einem Sonderflug nach Mar-a-Lago, wo die SVP-Elite ihrem Idol erklären darf, dass wir doch bloss spielen wollten. Und er bitte wieder lieb sein soll.

Nur wird das Trump ziemlich kalt lassen. Ihn interessieren keine Gartenzwerge. Auch nicht, wenn sie ihm zujubeln.

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