Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Vom Jesuskind, dem Osterhasen und der göttlichen Kalenderverwirrung

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 18.04.2025 09:09
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Eine Kolumne über die wundersame Welt kirchlicher Terminlogik

Ich hab Fragen. Also nicht nur eine. Mehr so ein ganzer Schwung davon. Zum Beispiel: Weshalb zum Geier feiern wir Weihnachten an einem festen Datum, aber Ostern an einem festen Wochentag? Wäre es nicht irgendwie sinnvoll, das einheitlich zu lösen – entweder beide Feste am 25. oder beide am ersten Sonntag nach irgendwas? Hat sich da jemand vertan? Oder war’s ein göttlicher Scherz?

Es gibt Dinge, die gehören zum Leben wie der Kater zum Neujahr: Der Zopf zum Sonntag, das Bahnchaos zu Deutschland – und die religiöse Kalenderverwirrung, die uns jedes Jahr auf’s Neue in ein göttlich-absurdes Zeitgefühl stürzt. Weihnachten am 25. Dezember? Klar, logisch. Jesus wurde halt da geboren. Oder auch nicht. Man weiss es nicht genau, aber die Kirche hat entschieden: Das Jesuskind kommt mit Ansage, punktgenau wie die Amazon-Lieferung (nur ohne Trackingnummer). Ostern hingegen? Da wird gewürfelt. Oder gestöckelt. Oder astrologisch berechnet. Jedenfalls ist es ein Mischmasch aus Mond, Frühling und einem bisschen Hokuspokus. Und das Ganze endet dann in einer Karfreitags-zu-Ostermontag-Gymnastik, bei der sich das Datum jedes Jahr elegant der Planbarkeit entzieht.

Wie bitte? Warum feiern wir also das eine Fest datumsfix, das andere tagesfix? Weil… ähm… Tradition! Oder göttlicher Wille. Oder vielleicht einfach, weil sich im 4. Jahrhundert ein paar Theologen mit zu viel Weihrauch und zu wenig Kaffee hingesetzt haben und beschlossen: “Jesus darf nicht zweimal im Jahr auf denselben Tag fallen – das wäre ja langweilig.”

Aber der Reihe nach.

Weihnachten – Jesus kommt pünktlich

Weihnachten ist quasi der Schweizer unter den Feiertagen: pünktlich, zuverlässig, organisiert. Am 25. Dezember wird Geburt gefeiert – ob Jesus da tatsächlich zur Welt kam oder nicht, spielt offenbar keine Rolle. Historiker sind sich nämlich weitgehend einig, dass der 25. Dezember mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit nicht das tatsächliche Geburtsdatum des Erlösers ist. Warum auch? Schliesslich hatten die Hirten auf dem Feld kaum Kalender-Apps. Und der Stall von Bethlehem war auch nicht gerade mit Jahresplanern ausgestattet.

Der wahre Grund für das Datum? Allem Anschein nach eine clevere PR-Aktion der alten Kirche. Man übernahm das heidnische Fest zur Wintersonnenwende – ein Spektakel zu Ehren von Licht, Sonne und Göttern, das sowieso schon gefeiert wurde. Praktisch, oder? Man nennt das heute wohl kulturelle Aneignung mit kirchlichem Gütesiegel. Jesus also als Licht der Welt, direkt nach der längsten Nacht. Ein Marketing-Geniestreich, gegen den selbst Coca-Cola mit seinem Weihnachtsmann alt aussieht.

Ostern – Jesus stirbt flexibel

Und dann kommt Ostern. Nicht zu verwechseln mit dem Osterhuhn, das zwar keine theologischen Wurzeln hat, aber dafür Schokolade legt – eine Fähigkeit, die man in religiösen Kreisen durchaus auch als Wunder durchgehen lassen könnte.

Ostern ist alles andere als einfach. Der Termin orientiert sich am ersten Frühlingsvollmond. Oder besser gesagt: am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang. Ja, das klingt schon fast wie ein Horoskoptext für Steinböcke mit Hang zur religiösen Genauigkeit. Jedes Jahr dürfen Kalenderhersteller, Schulplaner und gestresste Mütter von Ministranten den Taschenrechner zücken, um herauszufinden, wann genau diesmal das Leiden Christi stattfindet.

Was dabei herauskommt, ist ein bewegliches Fest, das irgendwo zwischen dem 22. März und dem 25. April liegt. Ein katholisches Überraschungsei, sozusagen. Nur ohne Spielzeug. Dafür mit Prozessionen, Fasten und gelegentlich einem gut gemeinten Schokohasen, der anatomisch so gar nichts mit dem Evangelium zu tun hat.

Logik ist nicht seligmachend

Warum also dieser Unterschied? Ganz einfach: weil man es so wollte. Weihnachten sollte ein fixes Datum sein, um die Christen von den heidnischen Festen abzulenken. Ostern hingegen war von Anfang an an das jüdische Pessachfest gekoppelt – ein ebenfalls bewegliches Datum, das sich am Mondkalender orientiert. Und weil Jesus ja bekanntlich an Pessach gekreuzigt wurde, wollte man das irgendwie korrekt unterbringen. Wobei “korrekt” hier im kirchlichen Sinne eher “gefühlte theologische Richtigkeit mit kosmischem Flair” bedeutet.

Die Konsequenz: Jesus wird jedes Jahr exakt gleich alt – aber stirbt immer an einem anderen Datum. Das ist nicht nur seltsam, sondern auch ein bisschen unfair. Man stelle sich das mal im Alltag vor: „Tut mir leid, Chef, ich kann nicht arbeiten – morgen ist der Todestag von Jesus, oder zumindest ungefähr.“ – „Schon wieder? Der war doch letztes Jahr schon tot!“ – „Ja, aber diesmal an einem anderen Sonntag.“

Fazit: Halleluja und Kalenderchaos

Man könnte sich also fragen: Wenn Gott wirklich allmächtig ist, warum hat er dann nicht einfach einen einheitlichen Feiertagskalender geschaffen? So mit wiederkehrenden Terminen, Outlook-Erinnerung und Feiertagen, die nicht jedes Jahr im Büro für Verwirrung sorgen. Vielleicht war das Teil des göttlichen Plans: den Menschen Demut lehren durch konfuse Kalenderlogik. Oder es war einfach ein himmlischer Scherz. Ein bisschen wie die Giraffe. Oder die SVP.

Aber immerhin: Wir feiern. Wir singen, wir essen zu viel, wir tun so, als wüssten wir, warum eigentlich. Und genau darum geht es ja bei Religion, nicht wahr? Glauben heisst nicht wissen – aber trotzdem mitmachen. Und wer braucht schon Logik, wenn man Eier bemalen und Guetzli backen kann?

In diesem Sinne: Frohes was-auch-immer gerade ist. Und vergesst nicht – der nächste religiöse Feiertag kommt bestimmt. Vielleicht. Irgendwann. Nach dem Vollmond.

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