Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. König Jonas und der Abzock-Adel

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 05.06.2025 17:30
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Seit wann zur Hölle haben wir eigentlich einen König in der Schweiz? Und was hat der geraucht? Ich mein, ehrlich jetzt – der Typ nennt sich «König der Schweiz» und läuft seither rum, als hätte er bei Game of Thrones das Casting verpasst, aber die Krone trotzdem behalten.

Sein Name: Jonas Lauwiner. Sein Business-Modell: Schleich dich durchs Grundbuch wie ein Maulwurf auf Speed, finde verlassene Grundstücke, melde Anspruch – zack, dein. So einfach, dass es fast schon genial ist. Oder eben einfach nur dreist.

Jetzt also der «zweite Feldzug», wie er das selber nennt. Als wär er Napoleon mit Schweizer Pass und Excel-Tabelle. Diesmal hats den Rosenweg in Geuensee LU erwischt. Ein Strässchen, das eigentlich niemandem gehört hat. Oder eben: allen. Aber weil die Gemeinde zu lahm war, hat König Jonas den Weg einfach «übernommen». Und jetzt? Jetzt will er Kohle. Von den Leuten, die da wohnen. Für den Weg zu ihrem eigenen Haus. Alternativ dürften sie ihn auch einfach «Lauwinerweg» nennen. Klar. Und ich nenn meine Toilette ab sofort Bundesplatz.

Mittelalter reloaded

Was zur Hölle läuft da eigentlich? Wie konnte es so weit kommen, dass jemand im Jahr 2025 in der Schweiz mit einem Schlupfloch im Grundbuch so eine Mittelalter-Farce aufzieht – mit Wegzoll, Feudalherren-Vibes und ranziger Selbstüberschätzung? Der Kanton Luzern schaut dem Ganzen zu, als wär das ein Theaterstück in der Mehrzweckhalle von Wauwil.

Und was sagt unser König zur ganzen Aufregung? «Ich verstehe schon, dass sie sich aufregen. Ich war halt schneller.» Echt jetzt? Das klingt wie ein Einbrecher, der beim Verhör sagt: «Ich verstehe, dass der Hausbesitzer sauer ist – aber hey, ich war einfach zuerst drin.»

Wie tief ist das Loch im System?

Was mich mehr irritiert als der König selber, ist das System, das so was überhaupt zulässt. Da lungern also Grundstücke im Grundbuch rum wie unbeaufsichtigte Trottinetts am HB, und wer zuerst «meins!» ruft, bekommt sie. Kein Wunder, dass jemand das ausnutzt. Was denkt sich eigentlich die Politik? Ist das die vielzitierte bürgernahe Verwaltung oder einfach kollektives Versagen in Flipflops?

Und dann diese Reaktion der Gemeinde: «Wir wollten das Grundstück schon auch übernehmen…» – Aber eben: «wollten». Mehr halt nicht. Vermutlich war grad Gemeinderatsapéro oder das Faxgerät war wieder offline.

Kohle für Kieselsteine

Und jetzt verlangt Jonas also 150’000 Franken – entweder als Lösegeld für den Rosenweg oder als Spende zur Ehre seiner Majestät, pardon, für die Umbenennung. Ein Deal, wie aus der Erpresser-Abteilung der Mafia-Fachhochschule. «Zahlt oder ihr wohnt am Lauwinerweg.» Das ist keine Verhandlung, das ist ein schlechter Mafiafilm, und der Protagonist trägt Hornbrille statt Sonnenbrille.

Natürlich wollen die Anwohner nicht zahlen. Kein Wunder. Du baust dein Haus, zahlst Steuern, hypothekierst deine Niere – und dann kommt dieser Typ ums Eck und verlangt Wegzoll wie ein Troll an der Brücke.

Und seine Logik? «Ich unterhalte ja die Strassen, das kann ich schon weiterverrechnen.» Guter Witz. Der Postbote bringt auch jeden Tag Briefe – verlangt aber keine Maut fürs Treppenhaus.

Die Krone sitzt schief

Wenn der Jonas einfach ein pfiffiger Immobilien-Typ wäre, der clever Lücken nutzt – meinetwegen. Aber dieses aufgeblasene Getue mit Krone und Königreich ist einfach nur peinlich. Man kann sich schon als König fühlen – aber wer’s nötig hat, sich so zu nennen, ist meistens eher Prinz von Gähnhausen.

Noch besser: Er wurde auch noch in den Stadtrat von Burgdorf gewählt. Ernsthaft? Wer zur Hölle wählt so jemanden? Oder sind dort einfach alle betrunken? Vielleicht hat er ja versprochen, die Strassen gold zu pflastern – gegen eine kleine Wegpauschale, versteht sich.

Schweigen im Steuerwald

Das wirklich Erschreckende: Die Behörden schweigen. Der Kanton Luzern, die Gemeinde Geuensee, alle ducken sich weg. Wahrscheinlich hoffen sie, dass sich das Problem selber löst – wie ein Hundehaufen im Sommer.

Aber genau das ist das Problem: Wenn niemand was sagt, wird die ganze Schweiz zum Spielfeld für Leute wie Lauwiner. Und wer weiss – vielleicht steht dann bald in deinem Garten ein Thron. Mit Einfahrtgebühr.

Fazit: Kein Rappen für den König

Mein Fazit? Jonas Lauwiner ist kein König. Er ist ein cleverer Opportunist mit Allmachtsfantasien. Was er macht, ist legal – aber sowas von unsozial, unkollegial und unausstehlich. Und dass der Staat zuschaut, wie ein Typ mit einem absurden Titel halbe Quartiere abzockt, ist ein Witz.

Ich hoffe, die Anwohner bleiben hart. Kein Rappen für König Jonas. Und falls er wirklich eines Tages in einem Palast residiert, dann bitte im Irrenhausflügel.

PS: Wenn er das nächste Mal wieder auf Feldzug geht, möge er bitte gleich den Weg zur Vernunft zurückerobern. Der ist nämlich definitiv herrenlos.

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