Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Was von der Liebe übrig bleibt – Trump, Musk und die grosse Bromance-Endzeit

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 08.06.2025 00:03
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Früher war alles besser. Sogar bei Trump und Musk. Zwei Männer, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten – der eine orange, der andere auf der Flucht vor der Haarbürste. Und trotzdem: Da war mal was. Ein bisschen Bewunderung. Ein bisschen Machtrausch. Vielleicht auch ein bisschen gegenseitiges Schwanzvergleichstennis. Und jetzt? Jetzt wird gedroht, beleidigt und sich gegenseitig medienwirksam abserviert wie zwei mittelgrosse Narzissten auf Twitter. Ach Moment – X heisst das jetzt ja, nicht?

Ja, liebe Leute, das Ende einer Bromance ist immer schmerzhaft. Aber wenn es sich um zwei der toxischsten Alphatiere des 21. Jahrhunderts handelt, wird aus der Liebesenttäuschung ganz schnell ein geopolitischer Kindergarten. Und während der eine nach dem anderen US-Wahlkampf röchelt wie ein altersschwacher Elch, glaubt der andere, mit Satelliten, Tesla-Raketen und libertären Trollarmeen die Weltordnung neu zu programmieren. Spoiler: Beides funktioniert nur halb.

Vom Business-Bromance-Bett zur Drohkulisse

Es ist ja nicht so, dass man das nicht hat kommen sehen. Trump ist bekanntlich der König des beleidigten Leberwürstchens, mit Sonderstatus auf Lebenszeit. Wenn ihm jemand die Show stiehlt oder (noch schlimmer!) nicht mehr artig zu ihm hält, wird gezündelt. Zuerst verbal, dann via Fox News, dann mit juristischen Nebelpetarden. Dass ausgerechnet Elon Musk, dieser Tech-Gott mit latentem Messiaskomplex, jetzt nicht mehr zu seinen treuesten Jüngern zählt, kratzt natürlich gewaltig an Trumps Titan-Ego.

«Wenn er das tut, muss er den Preis bezahlen», hat Trump gesagt. Gemeint war: Wenn Musk die Demokraten unterstützt, wird’s ungemütlich. Was genau dieser Preis ist, lässt der Don wie immer in trumpscher Unschärfe offen. Vielleicht gibt’s dann keine Steuererleichterungen mehr für Raumfahrtgiganten. Vielleicht aber auch nur einen besonders bösen Truthahn zu Thanksgiving.

Der Pimmelvergleich zweier Egos

Die beiden passen ja eigentlich perfekt zusammen. Beide halten sich für auserwählt, beide haben Millionen Fans, die ihnen jeden Blödsinn abkaufen, und beide hassen Widerspruch wie ein Diktator sein Volk. Aber wehe, einer tanzt aus der Reihe. Dann fliegen die Fetzen.

Trump war nie ein Fan von echter Loyalität. Für ihn ist Treue eine Einbahnstrasse mit Mautpflicht. Und Musk? Der hat irgendwann gemerkt, dass er sich mit den Demokraten wenigstens als Visionär inszenieren kann, statt nur als Abgassünder mit Weltraumfimmel.

Früher mal durfte Musk mitreden, durfte sogar ein paar Mal ins Weisse Haus marschieren wie ein Nerd im Anzug. Doch irgendwann, als die PR-mässige Zweckgemeinschaft bröckelte, wurde’s frostig. Und jetzt sind wir bei «Ich will mit ihm nicht mehr reden». Das ist Trump-Deutsch für: «Er hat mich verlassen und ich tue so, als wär’s mir egal.» Fast ein bisschen rührend, wenn man bedenkt, dass dieser Mann in seiner Amtszeit nicht mal seinem Frisör treu geblieben ist.

Grosse Klappe, kleine Welt

Das eigentlich Absurde ist: Diese kindische Schlammschlacht hat globale Auswirkungen. Denn wenn zwei Männer mit zu viel Macht und zu wenig Reflexion ihre persönliche Seifenoper auf die politische Bühne hieven, dann bleibt’s nicht bei einem Eifersuchtsdrama. Dann geht’s plötzlich um Steuern, Arbeitsplätze, Raumfahrtverträge, Wählergunst. Und am Schluss wundern sich alle, warum die Demokratie aussieht wie ein bizarrer Twitter-Thread.

Trump droht, Musk trollt zurück – und irgendwo dazwischen sitzt eine Bevölkerung, die sich fragt, wie zur Hölle das ihre Zukunft beeinflussen soll. Die Antwort: Direkt. Denn wenn Ego-Politik und Milliardärslaunen aufeinanderprallen, werden daraus keine Utopien gezimmert, sondern Shitstorms gezüchtet.

Die Moral von der Geschicht’?

Vielleicht ist das alles auch einfach nur der nächste logische Schritt in dieser Farce namens Politik 2.0. Wir leben in einer Zeit, in der sich Präsidenten wie Influencer benehmen und Milliardäre wie Kleinkinder mit Laserschwertern. Früher hat man sich beim G7-Gipfel getroffen, um über Weltwirtschaft zu reden – heute reicht ein Tweet mit dem falschen Emoji und die diplomatische Hölle bricht los.

Trump und Musk – zwei Männer, die sich gegenseitig verdient haben. Beide überschätzen ihre historische Bedeutung, beide fühlen sich von der Welt missverstanden und beide träumen vom ewigen Applaus. Und jetzt, wo die Bühne brennt und keiner mehr klatscht, da zeigt sich: Am Ende ist von der Liebe nur noch Groll übrig. Und ein bisschen peinlicher Stolz.

Und wir?

Wir schauen zu, lachen, schütteln den Kopf – und zahlen am Ende doch den Preis für diesen Kindergarten. In Form von Desinformation, Populismus, und einer Welt, die von gekränkten Egos regiert wird, statt von Ideen. Was bleibt? Die Erkenntnis, dass die grössten Gefahren nicht immer von Waffen oder Viren ausgehen – sondern von Männern mit zu viel Geld, zu wenig Empathie und einem Twitter-Account.

Amen.

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