1. Politik zum Davonlaufen - oder wie man ein Departement demontiert, ohne rot zu werden
Also bitte. Politik ist ja nicht gerade bekannt für ihre Herzlichkeit, aber was im Waadtländer Departement von Regierungsrätin Valérie Dittli abgeht, wirkt nicht wie politischer Alltag – sondern eher wie ein Büro-Survival-Game. Nur dass die Kandidatinnen und Kandidaten freiwillig das Spielfeld räumen, bevor sie noch ernsthaften Schaden nehmen.
Wir reden hier von einer Regierungsrätin, die im zarten Alter von 29 Jahren Finanzministerin eines der grössten Kantone der Schweiz wurde. Frisch, jung, ehrgeizig – und ohne jede relevante Führungserfahrung. Klingt wie ein PR-Traum, oder ein Plot aus einer Netflix-Serie. Leider ist es kein Scripted-Reality, sondern ziemlich reale Realität.
Was ist passiert? Kurzfassung: Erst verliert Dittli ihr Finanzdepartement, jetzt verliert sie ihr Team. Ihre Generalsekretärin ist weg. Davor schon der erste. Dazu noch die Kommunikationsverantwortlichen, persönliche Mitarbeitende, Mitarbeitende im Generalsekretariat – alle futsch. Und nein, nicht weil sie pensioniert wurden oder den Job ihres Lebens gefunden haben. Sondern weil sie krankgeschrieben waren. Reihum. Ganze Abteilungen, deren gesundheitlicher Zustand offenbar direkt proportional zur Nähe zur Chefin war.
Wer denkt, das klingt nach einem schlechten Arbeitsumfeld, liegt wahrscheinlich richtig. Von einem “Klima der Angst” ist die Rede. Da wurde laut Recherchen nicht einfach mal laut gesprochen, da wurde geschrien, befohlen, gedroht. Mit Klagen. Gegen die eigenen Mitarbeitenden. Weil sie es gewagt haben, Autorität zu hinterfragen. Womöglich haben sie sogar nachgedacht. Skandal!
Jetzt kann man natürlich argumentieren: Politik ist ein Haifischbecken. Wer da nicht mit Zähnen ausgestattet ist, geht unter. Nur blöd, wenn die Haifische aus dem eigenen Büro das Becken lieber verlassen als weiterzuschwimmen. Und ja, Fluktuation gehört bei einem Amtswechsel dazu. Aber die Krankheitswelle? Die Tränen? Die inneren Kündigungen? Die Panik in der Kaffeeküche? Das ist keine normale Einarbeitungsphase, das ist kollektive Selbstverteidigung.
Was ist das Problem? Vielleicht einfach: mangelnde Führung. Und der naive Glaube, dass man politische Macht allein durch den Titel „Regierungsrätin“ bekommt. Autorität wird nicht verliehen, sie wird verdient. Und das tut man – Überraschung! – nicht durch Drohgebärden, sondern durch Zuhören, Vertrauen, Ehrlichkeit. Keine Raketenwissenschaft, sondern schlichtes Menschsein.
Dittli wirkt derzeit wie eine Einzelkämpferin, die von allen Seiten angegriffen wird – in der Regierung isoliert, parteiintern umstritten, von der Verwaltung gemieden. Dass sie als junge Deutschschweizerin in der Westschweiz keinen einfachen Stand hat, ist unbestritten. Aber Diskriminierung ist kein Freipass für schlechtes Führungsverhalten. Und wer seine Generalsekretärin wie ein Bauernopfer verliert, sollte sich vielleicht mal fragen, ob das Schachbrett überhaupt das richtige Spielfeld war.
Man muss sich das mal bildlich vorstellen: Eine junge Regierungsrätin, ohne Führungs- oder Verwaltungserfahrung, kommt in ein Departement, in dem gestandene Mitarbeitende seit Jahrzehnten arbeiten. Und dann kommt der grosse Plan: neue Leute, neue Ordnung, neue Machtspielchen. Und die alten Hasen? Die können gehen. Oder krank werden. Oder am besten beides.
Und dann wundert man sich über schlechte Presse.
Natürlich darf man Fehler machen. Wer nie stolpert, lernt nichts. Aber wer so tut, als wäre alles bloss ein Einzelfall, hat nichts gelernt. Dittli sagt, sie könne zu den Abgängen nichts sagen – aus Respekt vor dem Privatleben. Man könnte auch sagen: aus Mangel an Erklärung. Dabei wäre eine Entschuldigung vielleicht einmal wohltuender als ein weiterer Verweis auf externe Berater, Medientraining oder interne Umstrukturierung.
Am Ende bleibt der Eindruck: Hier ist jemand auf dem Chefsessel, der gerne regiert, aber nicht führen kann. Jemand, der Kontrolle über Menschen gewinnen will, ohne sie zu verstehen. Und jemand, der offenbar lieber klagt als fragt.
Man könnte fast lachen, wenn es nicht so traurig wäre. Oder wie es ein grosser Komiker einmal sagte: Tragödie ist, wenn ich mir den Finger schneide. Komödie ist, wenn sich jemand die Karriere ruiniert – live auf der politischen Bühne.
Aber keine Sorge, Frau Dittli. Es ist ja nur Politik. Bloss ein bisschen Macht, ein paar Lebensläufe, ein paar ausgebrannte Mitarbeitende. Nichts, was man nicht im Griff haben sollte. Oder?
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