1. Die Trumpflüsterin mit dem Zoll-Tourette
Von einer, die auszog, das Denken zu lernen – und sich unterwegs verlaufen hat.
Magdalena Martullo-Blocher ist enttäuscht. Vom grossen Trump. Vom orangenen Orakel. Vom glorreichen Zölleschwinger aus Übersee, der einfach nicht handelt. Das sagt sie mit einem Tonfall, als wäre sie persönlich vom lieben Gott versetzt worden. Und vielleicht fühlt sie sich tatsächlich so, immerhin sieht sie sich ja gerne auf Augenhöhe mit dem Immobilien-Kapitalismus-Guru aus Florida: «Wir sind ja beide Down-to-Earth-Unternehmer…» – Ja, klar. Und ich bin der Samichlaus... Ähm, ja.
Martullo-Blocher, die sich hartnäckig weigert, Ironie als Konzept zu verstehen, jammert also über Donald Trump. Der gleiche Trump, den sie noch vor ein paar Monaten mit leuchtenden Augen verteidigte wie ein Teenager, der gerade seinen ersten Mustang gefahren ist. Jetzt aber hat der grosse, starke Mann einfach nicht geliefert. Keine Zölle, kein Showdown, keine Klarheit. Nur noch mehr Chaos aus dem Hause Trump. Und das ist ihr nun ein Dorn im Auge. Wahrscheinlich einer dieser patriotischen Plastikdorne aus der Ems-Produktion.
Dabei könnte man ja meinen, ein bisschen Zoll-Chaos sei genau das Richtige für jemanden, der sich die Schweiz gerne als souveräne Wirtschaftsbastion in der globalisierten Welt zurechträumt. Aber nein, plötzlich ist Magdalena «enttäuscht». Weil Trump nicht endlich handelt. So, als wäre der Präsident der Vereinigten Staaten ein leicht verzögert reagierender Lieferant von Ersatzteilen, nicht aber eine politische Naturkatastrophe auf zwei Beinen.
Doch statt über sich selbst oder die bizarre Faszination für einen politisch desorientierten Alterspräsidenten zu reflektieren, schaut Martullo in die Kameras dieser Welt und jammert. Der arme Trump! Der hat doch so viel zu tun, zwischen Gerichtssaal, Golfplatz und Selbstbeweihräucherung. Da kann man schon mal vergessen, der Schweiz ihren fixen Zolltarif reinzuposten. Truth Social first, Switzerland second.
Und überhaupt: Dass Martullo jetzt ausgerechnet fehlende Tatkraft bei Trump kritisiert, ist etwa so, als würde ein Gartenzwerg dem Mount Everest vorwerfen, zu wenig präsent zu sein. Wer sich in einem politischen Paralleluniversum einnistet, sollte sich nicht wundern, wenn dort plötzlich die Realität die Raumstation verlässt. Aber Magdalena war ja schon immer ein bisschen… anders. Eine Selfmade-Milliardärin im Erbmodus, die sich für wirtschaftliche Kompetenz hält, weil sie es geschafft hat, eine Chemiefirma nicht in Grund und Boden zu fahren. Grossartig.
Im Übrigen sei daran erinnert, dass Frau Martullo nicht irgendeine CEO ist. Nein, sie ist auch Nationalrätin. Also eine gewählte Vertreterin des Volkes, die nebenbei damit beschäftigt ist, mit fremden Flaggen zu wedeln. Dass sie sich lieber an Trump schmiegt als ans eigene Land, lässt tief blicken. Wer braucht schon Demokratie und Souveränität, wenn man einen autokratisch angehauchten Business-Boomer anhimmeln kann?
In Bern schmunzelt man unterdessen gequält. Karin Keller-Sutter, die zumindest so tut, als hätte sie einen Draht zu Trump, wirkt daneben wie ein Fels der Vernunft. Und das will was heissen. Während also Martullo ihre globalisierte Parallelwelt betrauert, in der sie zwar für tiefe Zölle betet, aber gleichzeitig am liebsten Mauern um die Schweiz ziehen würde, stellt sich die simple Frage: Weiss sie eigentlich noch, auf welchem Planeten sie lebt?
Und wo wir gerade beim Denken sind: Der Ökonom Johannes von Mandach empfiehlt Trump einen Einführungskurs in Volkswirtschaft. Fair enough. Aber vielleicht könnte Martullo-Blocher gleich mitkommen. Man könnte gemeinsam über Ricardo, comparative advantage und die Idee von Kapitalflüssen meditieren. Vielleicht dämmert es dann irgendwann auch unserer Zoll-Bettlerin, dass Trumps Politik ungefähr so durchdacht ist wie ein Thermomix im Fitnessstudio.
Stattdessen klammert sich Magdalena an Zollzahlen und Inszenierungen, als wäre das der letzte Strohhalm ihrer politischen Relevanz. Und so darf man gespannt sein, was sie am 1. August sagt, wenn Trump dann tatsächlich seine Weltzölle veröffentlicht – genau am Schweizer Nationalfeiertag. Ob sie dann wieder stolz mit der US-Flagge wedelt? Oder beleidigt ist, weil sie nicht persönlich eine WhatsApp von ihm erhalten hat?
Eines ist sicher: Wenn der Zoll kommt, wird Martullo jammern. Wenn er nicht kommt, jammert sie auch. Und wenn er irgendwie dazwischenkommt – tja, dann sagt sie vermutlich, sie hätte es schon immer gewusst. So funktioniert das halt, wenn man politische Verantwortung mit einer Netflix-Serie verwechselt: Hauptsache Drama, Hauptsache ins Bild, Hauptsache jemand hört zu.
Und währenddessen hoffen wir einfach, dass weder Trump noch Martullo jemals wirklich handeln. Denn wenn das Handeln so aussieht wie ihr Denken, dann: Gute Nacht, Schweiz.
Ende der Durchsage.
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