Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Branding House Dietikon – die Ruine, die blieb

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 17.07.2025 18:58
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Herzlichen Glückwunsch, Dietikon! Man muss es auch mal positiv sehen: Während überall gebaut, verdichtet, abgerissen und neu hochgezogen wird, bleibt euch ein Stück echte, unverfälschte Stillstandskultur erhalten. Seit der Nacht auf den 31. Oktober 2023 – also vor 625 Tagen – steht sie da:
Die Ruine an der Badenerstrasse 4.
Verbrannt, verrusst, vernagelt. Aber immer noch da.

Und sie steht nicht einfach so da – nein! Sie steht offiziell, genehmigt, herausinventarisiert. Man hat sich im Juli 2024 extra die Mühe gemacht, sie aus dem Denkmalschutz zu nehmen, weil eh nichts mehr zu retten sei. Man dürfte also abreissen. Theoretisch. Denn praktisch passiert: nichts. Kein Bagger, kein Gerüst, keine Bautafel. Nur ein bisschen mehr Efeu, der langsam die Brandmauern erklimmt. Und gelegentlich ein neues Absperrgitter, wenn das alte umfällt.

Was ist los? Fehlen dem Eigentümer die Mittel? Wartet die Stadt auf göttliche Eingebung? Oder hat man sich einfach daran gewöhnt? Man munkelt, es handle sich inzwischen um eine stille Vereinbarung zwischen Verwaltung und Ruine:
„Wir tun so, als wärst du bald weg – und du tust so, als wärst du bald nicht mehr da.“

Dabei wurde im Juli 2024 doch gross angekündigt:
„Kein Schutzwert mehr! Der Abriss kommt!“
Aber dann wurde festgestellt: Das Gebäude steht in der Dietiker Kernzone – einer Art architektonischer Endlosschlaufe, in der Neubauten bitte so aussehen sollen wie Altbauten, auch wenn das Altbau-Original inzwischen aussieht wie nach einem Luftangriff.

Fazit: Man darf neu bauen, aber bitte nicht zu neu. Es soll so tun, als wäre es alt. Nur bitte nicht abgebrannt-alt, sondern charme-alt.

Die Stadt nennt das Ortsbildschutz. Die Bevölkerung nennt das Lachnummer. Und Passanten nennen es mittlerweile einfach:
„Ah, das Ding steht immer noch?“

Man könnte daraus längst ein Kulturobjekt machen:
„Das Denkmal des Denkmalentzugs.“
Mit Führungen, einem Infopoint, vielleicht sogar einem kleinen Café: Ruina Matta.
Motto: „Wir servieren langsam – wie unsere Stadt plant.“

Wörter: 309 - Anschläge: 2014

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