1. „Junge Tat“ - Wenn Meinung zur Waffe wird
Die Junge Tat nennt sich selbst eine „rebellische Stimme“ gegen das Establishment. In Wahrheit ist sie ein rechtsextremes Propagandamedium, das mit gezielter Desinformation, Framing und persönlichen Angriffen arbeitet. Wer sich mit dieser Gruppe ernsthaft beschäftigt, erkennt schnell: Hier geht es nicht um Aufklärung, sondern um politische Stimmungsmache mit dem Ziel, Vertrauen in Institutionen, Wissenschaft und Demokratie systematisch zu zersetzen.
Das Geschäftsmodell der Jungen Tat ist nicht neu, aber in seiner Konsequenz bedrohlich: Einzelpersonen und Gruppen werden öffentlich angegriffen – oft namentlich, gerne mit Foto –, und dies auf Basis einseitiger, verzerrter oder schlichtweg falscher Behauptungen. Eine klassische Täter-Opfer-Umkehr: Wer sich gegen Hetze wehrt, wird als „Systemknecht“ oder „woker Gutmensch“ diffamiert.
Recherchearbeit? Fehlanzeige. Faktencheck? Wird als Teil des „Mainstreams“ verachtet. Die Plattform arbeitet nicht journalistisch, sondern ideologisch – und ihre Zielgruppe sind junge Menschen, die sich nach Klarheit und Zugehörigkeit sehnen. Was sie bekommen, ist ein Weltbild aus Verschwörung, Ressentiment und nationalistischer Selbstüberhöhung.
Wer sind die Drahtzieher? Besonders auffällig treten Tobias Lingg und Manuel Corchia auf – letzterer ist auch Präsident der Jungen SVP Kanton Zürich. Beide bewegen sich mit einer Selbstverständlichkeit im politischen Grenzbereich, die man nicht mehr als Ausrutscher abtun kann. Sie laden zu Vorträgen ein, bei denen AfD-Vertreter, deutschnationale Burschenschafter und offen rechte Publizisten auftreten. Der Ton ist stets der gleiche: Gegen den Staat, gegen die Presse, gegen „die da oben“.
Ein besonders aufschlussreiches Beispiel war die Veranstaltung in Kloten Ende 2024. Anwesend: AfD-Politiker, Identitäre, Jung-SVPler – und auch Nicolas Rimoldi, der Präsident von Mass-Voll!. Rimoldi ist nicht Teil der Jungen Tat, aber seine ideologische Nähe ist unübersehbar. Er tritt bei gemeinsamen Veranstaltungen auf, zeigt sich Schulter an Schulter mit den Machern der Plattform und bekundet in sozialen Medien regelmässig Sympathie – auch mit einem „White Power“-Emoji, das unter einem ihrer Beiträge auftauchte. Rimoldi will sich gerne als „bürgerlich-libertärer Aktivist“ darstellen – doch wer sich freiwillig in Gesellschaft von Demokratieverächtern begibt, kann sich nicht mit Naivität herausreden.
Und die Inhalte der Jungen Tat? Ein besonders perfides Beispiel ist ihr Angriff auf eine Zürcher Primarlehrerin, der sie eine „Gender-Indoktrination“ unterstellten. Die Geschichte basierte auf einer einzelnen, unbelegten Elternaussage, die später selbst zurückruderte. Kein Gegendarstellungsversuch, keine zweite Quelle, keine Kontextualisierung. Hauptsache, die Empörung war gross genug. Die Lehrerin wurde mit Name und Foto veröffentlicht, begleitet von Dutzenden hasserfüllten Kommentaren, einige davon mit klaren Gewaltfantasien. Die Redaktion der Jungen Tat? Schweigt. Und löscht nichts.
Die Methode ist klar: Ein Feindbild wird konstruiert, mit Halbwahrheiten angereichert, emotional aufgeladen – und dann der Öffentlichkeit zum Abschuss freigegeben. Es ist eine Radikalisierungsstrategie, wie man sie von autoritären Bewegungen kennt. Die Plattform tut dies mit jugendlichem Anstrich, in cooler Sprache, auf Instagram und TikTok. Wer widerspricht, wird als Teil der „Gehirnwäsche-Elite“ abgestempelt.
In einem demokratischen Rechtsstaat muss es Platz für Kritik geben – auch harte. Aber Kritik ist nicht das Gleiche wie gezielte Rufschädigung. Meinung ist nicht das Gleiche wie Lüge. Und Revolte ist nicht das Gleiche wie Rechtsextremismus.
Es ist höchste Zeit, die Junge Tat als das zu benennen, was sie ist: Ein rechtsextremes Medienprojekt, das gezielt daran arbeitet, demokratische Institutionen zu untergraben. Ihr Ziel ist nicht Vielfalt der Meinung, sondern die Ausschaltung aller Stimmen, die ihrem Weltbild widersprechen. Wer sich mit ihnen gemein macht – ob als Redner, Follower oder Spender –, trägt Mitverantwortung.
Und es braucht auch den Mut, Namen zu nennen: Tobias Lingg, Manuel Corchia, Nicolas Rimoldi – sie alle tragen auf ihre Weise zur Normalisierung dieses Gedankenguts bei. Der eine als Macher, der andere als Netzwerker, der dritte als Verstärker.
Demokratie ist wehrhaft – aber nur, wenn man sie verteidigt. Schweigen ist keine Option mehr.
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