Rellsens Kolumnen

Philipp Rellstab

Philipp Rellstab - Wortspieler & Klangtüftler. Jazzmusiker mit Trompete, Flügelhorn, Posaune und Tuba. Chefredaktor der SamiPost. Schreibt, wenn das Leben sticht - mal kurz, mal lang, aber immer mit Herz.

1. Deutschland wählt mal wieder – Ein Schweizer Blick auf das Chaos im Norden

Text von Philipp Rellstab | veröffentlicht am 15.02.2025 14:04
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Ach, die Deutschen! Während wir in der Schweiz gemütlich über die nächste Abstimmung zu Tempo 30 auf Dorfstrassen oder die Zukunft der Kuhglocke debattieren, brennt bei unseren nördlichen Nachbarn politisch mal wieder die Hütte. Neuwahlen! Der Kanzler wackelt! Die Parteien streiten sich, als ob es um die letzte Brezel auf dem Oktoberfest ginge.

Als Schweizer schaut man da mit einer Mischung aus Belustigung, Mitleid und der unerschütterlichen Gewissheit zu, dass es bei uns so ein Drama nie geben würde – einfach, weil wir gar keinen Kanzler haben. Aber gut, Deutschland will es offenbar spannend. Ein Überblick.

Die Ampel – eine Konstruktion mit eingebauter Pannenanfälligkeit

Eigentlich hätte man es kommen sehen müssen. Die sogenannte „Ampel-Koalition“ – ein Zusammenschluss aus SPD, Grünen und FDP – war von Anfang an eine politische Version der Fondue-Mischung „halb vegan, halb Käse, aber bitte laktosefrei“. Olaf Scholz (SPD) wollte alles moderieren und möglichst wenig sagen, Robert Habeck (Grüne) wollte das Land klimaneutral machen, während Christian Lindner (FDP) weiterhin an den freien Markt glaubte – ein bisschen so, als ob man in einer Berghütte in Davos gleichzeitig Heizkosten sparen, aber auch durchgehend die Sauna laufen lassen will.

Was folgte, war eine Legislaturperiode voller Streitigkeiten. Die FDP blockierte grüne Umweltprojekte, die Grünen blockierten FDP-Wirtschaftsreformen, und Scholz blockierte… na ja, alles, indem er einfach schwieg. Letztlich hielt die Koalition nicht mal bis zum regulären Wahltermin durch. Die Ampel ist erloschen, Deutschland steht vor Neuwahlen.

Der Kanzlerkampf: Wer will den heissen Stuhl?

Nun stehen also Neuwahlen an, und die Kandidaten formieren sich.
Olaf Scholz (SPD) würde gerne weitermachen, doch nach einer Amtszeit, in der er vor allem durch Schweigen auffiel, dürfte seine Wiederwahl ungefähr so realistisch sein wie eine 10er-Note auf dem Zürichsee schwimmen zu sehen.
Friedrich Merz (CDU) reibt sich die Hände. Endlich, endlich könnte er Kanzler werden – falls er es schafft, seine eigene Partei davon zu überzeugen, dass er der richtige Kandidat ist. In der CDU ist man sich nämlich nicht sicher, ob man mit ihm gewinnen oder lieber doch noch einen Überraschungskandidaten aus dem Hut zaubern sollte.
Alice Weidel (AfD) steht bereit und hofft auf ein Chaos, das ihrer Partei weiter Stimmen bringt. Ein Schreckensszenario für die etablierten Parteien, die sich aber oft genug selbst zerlegen.
Die Grünen und die FDP? Sie wissen selbst noch nicht, wen sie aufstellen sollen. Die einen überlegen, ob sie Habeck oder Baerbock ins Rennen schicken, die anderen würden am liebsten so tun, als hätte es die Ampel nie gegeben.

Kurz gesagt: Es bleibt spannend. Und von der Schweiz aus betrachtet, ist es fast ein bisschen unterhaltsam.

Neuwahlen in Deutschland – eine Schweizer Einschätzung

Was lernen wir aus dem Chaos im Norden?
1. Deutschland ist kompliziert. Während wir hier Volksabstimmungen haben, bei denen einfach abgestimmt und entschieden wird, diskutieren die Deutschen ewig, zerstreiten sich und lösen dann die Regierung auf.
2. Kanzler sein ist kein Vergnügen. Während unser Bundesrat als Team funktioniert und niemand alleine regieren muss, gibt es in Deutschland diese eine Person, die alles verantworten soll – und damit meistens überfordert ist.
3. Wählen hilft – oder auch nicht. Während die Deutschen immer wieder die gleichen Parteien wählen und dann enttäuscht sind, probieren wir Schweizer lieber mal eine neue Initiative aus. Mehr Demokratie, weniger Theater.

Am Ende bleibt uns als Nachbarn nur zu sagen: Viel Glück, Deutschland! Wir schauen uns das Spektakel an – mit einem kühlen Rivella in der Hand und der Gewissheit, dass wir es hier mit unserer direkten Demokratie doch ein bisschen gemütlicher haben.

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