1. 39 Prozent Zoll – 100 Prozent Blamage
Ach, Bundesbern. Man muss euch wirklich gratulieren. Da habt ihr es geschafft, in monatelangen „intensiven Verhandlungen“ mit den USA das diplomatische Äquivalent eines Furzgeräuschs zu erzielen – gefolgt von einem Paukenschlag: 39 Prozent Strafzoll auf Schweizer Produkte. Der höchste Satz in ganz Europa. Gratulation, liebe Bundespräsidentin Keller-Sutter – euer Team hat sich soeben den Titel „Schlechtester Deal des Kontinents“ gesichert. Und das mit Ansage.
Aber gehen wir nochmal ein paar Schritte zurück. Da war diese fast schon putzige Hoffnung, dass man mit einem charmanten Anruf beim orangen Despoten im Weissen Haus etwas reissen könnte. Karin Keller-Sutter, sonst eher Typ Sachverwalterin als diplomatische Verführerin, erklärte dem Blick stolz: „Ich habe irgendwie den Zugang zu Trump gefunden.“ Aha. Und was hat sie gefunden? Offenbar nur den Ausgang.
Denn was am Ende blieb, war kein Zugang, sondern ein Tritt in den Hintern. Minuten vor Ablauf der Frist knallte das Weisse Haus eine neue Zollliste raus – mit der Schweiz ganz oben auf der Liste der Abgestraften. 39 Prozent. Nicht 10, nicht 15, nicht mal die angedrohten 31. Nein, es musste natürlich die 39 sein. Eine Zahl, so grotesk, dass man sie fast für eine Rückennummer auf einem Footballtrikot halten könnte.
Und was macht die Schweiz? Sie ist überrascht. Ja, man habe doch alles vorbereitet. Die Absichtserklärung lag vor. Die Gespräche waren “vertrauensvoll”. Nur Trumps Unterschrift fehlte noch. Kleines Detail, das. In einer Welt, in der dieser Mann innerhalb von zwei Tweets die Richtung wechselt, ist das ungefähr so, als würde man bei der Titanic sagen: “Wir hatten ein Rettungsboot bereitgestellt – leider stieg niemand ein.”
Die Frage, die sich nun aufdrängt, ist:
Was wirklich schmerzt, ist die schamlose Realitätsverweigerung. Seit Jahren wird gewarnt, dass die USA ihre Pharma-Importe für überteuert halten. Die Schweiz ist Weltmeisterin im Medikamentenverkaufen, reibt sich genüsslich die Hände über hohe Margen und staunt jetzt, warum Trump plötzlich sauer ist. Spoiler: Weil er Wahlkampf macht – und sich keinen Dreck um die Margen von Roche oder Novartis schert. Ihn interessieren nicht die „gemeinsamen Werte“ oder die diplomatischen Floskeln aus Bern. Er will Headlines. Und mit „Ich habe der Schweiz gezeigt, wo der Hammer hängt“ hat er eine.
Und die Schweiz? Sie murmelt was von WTO-Klage. Süess. Ja, die Welthandelsorganisation kann irgendwann – vermutlich 2032 – ein Verfahren eröffnen. Dann könnte man eventuell Gegenmassnahmen andenken. Also genau das, was die Schweiz niemals tun wird, weil sie weiss, dass ein Racheakt von Trump schneller käme als der nächste Fahrplanwechsel der SBB.
Und überhaupt: Wer soll denn Druck auf die USA machen? Liechtenstein? San Marino? Der Papst persönlich? Die Schweiz ist schlicht zu klein, um mit einem Alleingang irgendwas zu bewirken. Und die EU wird sich kaum für uns in die Bresche werfen – die haben ja ihren Deal schon. Clever, oder?
Bleibt nur noch ein Hoffnungsschimmer: Trump könnte sich in der Zwischenzeit wieder mit irgendwem anders anlegen – vielleicht Kanada, vielleicht dem Wetter. Vielleicht vergisst er die Schweiz auch einfach. Wäre nicht das Schlechteste.
Fazit: Diese ganze Posse ist eine Mahnung. Eine Mahnung daran, dass politische Selbstüberschätzung, gepaart mit diplomatischer Behäbigkeit, in einer Welt von Machtpolitikern wie Trump nicht funktioniert. Wer glaubt, er könne mit Anstand und Floskeln einen Egomanen zähmen, darf sich nicht wundern, wenn er am Ende der Liste steht. Oder mit 39 Prozent Zöllen.
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