1. Ueli Maurer und die grosse China-Liebe
Oder: Wie man Demokratie mit Sicherheit verwechselt
Alt-Bundesrat Ueli Maurer hat wieder einmal ins Mikrofon gesprochen. Diesmal im Podcast der «Weltwoche», was in etwa so überraschend ist, wie wenn die Migros am Montagmorgen Brot verkauft. Herausgekommen ist ein Potpourri aus Stammtischparolen, leichtem Rentner-Gejammer und einer gehörigen Portion Selbstrechtfertigung. Und wie immer, wenn Ueli redet, bleibt man irgendwo zwischen Lachen, Kopfschütteln und Fremdscham hängen.
China, das gelobte Land
Maurer findet China «sicherer» als Zürich oder Lausanne. Klar, in Peking wird man nicht auf der Langstrasse von einem Koksdealer schief angeschaut – dafür überwacht einen jeder Laternenpfahl. Man könnte es auch so formulieren: Sicherheit ja, aber nur, weil alle jederzeit von Big Brother beobachtet werden. Maurer verwechselt da wohl «ich fühle mich unbehelligt» mit «ich bin frei». Ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Unterschied.
Ironischerweise ist es genau das, was die SVP sonst so gerne verteufelt: zu viel Staat, zu viel Kontrolle. Nur dass es in China halt nicht «Brüssel» ist, sondern die Kommunistische Partei. Aber hey – Hauptsache, man kann nachts spazieren gehen, ohne dass einer am HB nach einem Feuerzeug fragt.
AfD? Aber gerne doch!
Dann diese Passage: Die AfD sei zwar «nicht regierungsfähig», aber Alice Weidel sei eine «kluge Frau». Man hört fast, wie Maurer beim Reden verschmitzt grinst. Das ist ungefähr so, als würde man sagen: «Der Koch ist unfähig, aber die Suppe schmeckt köstlich.» Maurer lobt, was er eigentlich verurteilen sollte – aber halt so, dass er gleichzeitig behaupten kann: «Nein, ich bin doch kritisch!» Ein alter Trick aus der Blocher-Schule: Nähe zeigen, Distanz behaupten, und am Ende hat man trotzdem die Botschaft platziert.
Blocher? Schon gut, aber…
Maurer erklärt, er sei Blocher nie wirklich nahegestanden. Politisch schon, menschlich eher nicht. Das ist in etwa so glaubwürdig wie ein Teenager, der behauptet, er hätte nur mal kurz eine Zigarette angezündet, aber nie wirklich gezogen. Am Ende bleibt: Sie «ticken gleich». Heisst: der eine hat das Geld, der andere den Bauernhof, aber beide denselben Kompass. Unterschiedliche Verpackung, gleiche Suppe.
SRF-Bashing für Fortgeschrittene
Und natürlich: ein Seitenhieb gegen das Schweizer Fernsehen darf nicht fehlen. «Die Moderatoren sind zu eitel, die Themenauswahl furchtbar.» Da fragt man sich: Hat Maurer jemals mehr als 15 Minuten geschaut, oder ist das bloss eine Abwehrreaktion, weil er in den Studios immer so ungemütlich schwitzen musste? SRF ist für die SVP so etwas wie Broccoli für ein Kind – egal wie man’s würzt, es wird immer gespuckt.
EU? Nein, danke!
Schliesslich seine Kritik am EU-Paket: Der Bundesrat habe «nicht den Mut, Nein zu sagen», also lasse er das Volk ran. Klingt kernig, ist aber das übliche SVP-Mantra. Mut bedeutet für Maurer offenbar, immer reflexartig «Nein» zu rufen, ohne eine Alternative vorzuschlagen. So ähnlich wie ein Kleinkind, das nur «nein» schreit, wenn’s ins Bett soll – ohne zu erklären, was es denn stattdessen will.
Und jetzt?
Am Ende bleibt ein Bild von Ueli Maurer als das, was er schon lange ist: ein alter SVP-Krieger, der nicht loslassen kann und seine politischen Stammtischweisheiten nun in Mikrofone von Freunden diktiert. Inhaltlich bewegt er sich im Kreis: China ist toll, die AfD ist spannend, Blocher war schon auch wichtig, SRF ist blöd, und die EU sowieso. Neu daran ist höchstens, dass er’s inzwischen ohne jede Zurückhaltung rausposaunt.
Vielleicht ist das sogar ehrlich. Vielleicht ist Maurer wirklich einfach ein Mann, der im chinesischen Überwachungsstaat mehr Geborgenheit empfindet als in Zürich-Wiedikon. Aber wenn das die Zukunftsvision der SVP ist, dann gute Nacht, Freiheit.
Fazit:
Ueli Maurer hat nicht bloss ein Sicherheitsproblem, er hat ein Wahrnehmungsproblem. Und vielleicht auch ein kleines Aufmerksamkeitsproblem. Denn ohne Schlagzeilen wirkt er wie das, was er in Wahrheit längst ist: ein politischer Pensionär mit zu viel Zeit und zu viel «Weltwoche» im Ohr.
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